Heilfasten

Fasten – Urlaub für Körper und Geist

Fasten wurde früher hauptsächlich aus religiösen Gründen praktiziert – heute erlebt das Heilfasten einen wahren Boom. Denn Fastenkuren versprechen eine Reinigung des Körpers und des Geistes – Entschlacken und Abnehmen sollen ebenfalls Folge davon sein. Doch stimmt das überhaupt? Was passiert beim Fasten im Körper, warum tut Heilfasten gut und was ist dabei zu beachten?

Fasten – was ist das eigentlich?

Fasten ist fest in allen Religionen verankert und wird seit Jahrtausenden von Menschen praktiziert. Sowohl im Islam, im Buddhismus, im Judentum als auch im Christentum finden sich Anweisungen für Fastenzeiten. Religiöses Fasten bedeutet, aus religiösen Gründen für eine bestimmte Zeit fast keine oder keine Nahrung zu sich zu nehmen, begleitet von Gebet und Meditation. Im Islam ist der Fastenmonat Ramadan bekannt, in welchem von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang komplett auf Nahrung verzichtet wird. In der christlichen Tradition beginnt das Fasten am Aschermittwoch und dauert 40 Tage, bis Ostern. Es soll zur „Reinigung der Seele“ dienen. Es gibt heute jedoch keine festen Fastenregeln mehr, so dass jeder selbst entscheiden kann, ob er in dieser Zeit auf Fleisch, Zucker, Alkohol, auf Fernsehen oder komplett auf feste Nahrung verzichtet.

Religiöses Fasten wird heute nicht mehr so stark praktiziert, am Anfang des 20. Jahrhunderts belebten die Ärzte Franz Xaver Mayr und Otto Buchinger jedoch das Heilfasten neu. Hier steht nicht mehr der religiöse, sondern der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund. Heute sind die positiven gesundheitlichen Auswirkungen auf Körper und Geist bekannt. Auch beim Heilfasten wird für eine bestimmte Zeit auf eine Aufnahme von fester Nahrung verzichtet, dies wird von Entspannungsübungen und leichten Bewegungen begleitet. Fasten soll zur inneren Reinigung des Körpers und des Geistes beitragen und für ein gutes und gesundes Körpergefühl sorgen. Ziele sind unter anderem Entschlacken des Körpers sowie Abnehmen.

Was passiert beim Fasten im Körper?

Fasten

Vielen Dank an braetschit @pixabay.com für das Bild.

Aller Anfang ist schwer! Man sagt, dass die ersten drei Tage des Fastens die schwierigsten sind. Tatsächlich muss sich der Organismus erst einmal an die Umstellung gewöhnen. Der Körper sieht eine Fastenkur als Gefahr an, er setzt sich zur Wehr und fürchtet um sein Überleben. Die Folge: der Organismus wechselt in den Mangelbetrieb, eine gewaltige Anpassung des Stoffwechsels ist gefordert. In den ersten Tagen schaltet der Körper auf psychischer, neurologischer und hormonellen Ebene um.

Zuerst greift der Körper auf seine Zuckerreserven zurück, die vor allem in der Leber abgespeichert sind. Diese sind jedoch nach spätestens 24 Stunden aufgebraucht, nun geht es an die Eiweiß-Vorräte, welche der Körper aus den Muskeln und Organen zieht, weswegen auch deren Umfang schwindet. Bei zu langem Fasten besteht jedoch das Risiko, dass auch der Herzmuskel abgebaut wird.

Erst nach dem die Zucker- und Eiweißreserven des Körpers ausgeschöpft wurden, geht es an die Fettreserven. Dies geschieht meist nach 4-5 Tagen Fasten. Denn obwohl der Körper auf Sparflamme fährt, wird bei einem nicht an Energie gespart: dem Gehirn. Dieses verlangt nach Traubenzucker, doch nachdem dieses nicht zur Verfügung steht, braucht der Organismus eine andere Lösung: Fettsäuren werden in Ketonkörper umgewandelt, welche als Traubenzucker-Ersatz fungieren. Diese liefern schnell Energie, führen jedoch auch zum bekannten Mundgeruch bei Fastenden.

Diese gewaltige Umstellung bedeutet Stress für den Körper. Am Anfang ist das Hungergefühl noch groß, man fühlt sich eventuell unwohl, nervös und aggressiv. Doch diese Symptome verschwinden nach den ersten Tagen, der Körper hat sich an die Umstellung gewöhnt. Beim Fasten braucht der Körper weniger Energie, dadurch schlägt das Herz langsamer und der Blutdruck sinkt. Viele berichten von einem Gefühl der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit, eine Losgelöstheit vom Alltag. Außerdem wird bei eine mehrtägigen Fastenkur der Stimmungsaufheller Serotonin gebildet, welcher nun auch länger wirkt und für Wohlbefinden und Glücksgefühle sorgt.

Warum tut Heilfasten gut?

Fasten wird also seit Jahrtausenden von Menschen praktiziert – und das aus gutem Grund. Denn es hat viele positive Effekte auf Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden. Doch warum ist das so?

Heilfasten

Heilfasten trägt zur Steigerung Ihres Wohlbefindens bei. Vielen Dank an dolvita108 @pixabay.com für das Bild.

Nun, zum einen wird beim Fasten dem Körper keine Nahrung mehr von außen zugeführt, sodass dieser gezwungen ist, auf seine eigenen Energiereserven zurückzugreifen. Zunächst greift der Körper auf seine Zucker- und Eiweißreserven zurück. Erst wenn diese aufgebraucht sind, greift der Organismus auf überschüssige Fettdepos zurück. In diesen Fettdepos speichert der Körper bevorzugt Umweltgifte ab. Da Fettzellen beim Fasten vermehrt abgebaut werden, werden die eingespeicherten Umweltgifte freigesetzt und ausgeschieden. So können Giftstoffe aus dem Körper gespült und überschüssige Fettablagerungen abgebaut werden. Dies nennt man auch Entschlacken.

Außerdem hat der Körper nun einen Überschuss an Energie, mit der er sich selbst regenerieren kann. Denn sonst ist der Körper die meiste Zeit damit beschäftigt, die aufgenommene Nahrung zu verarbeiten. Durch das Fasten fällt diese Aufgabe weg, der Organismus kann sich nun anderen Baustellen widmen. So werden beispielsweise erhöhte Mengen an Stoffwechselprodukten, die sich im Blut ansammeln, ausgeschieden, und jegliche anormale Stoffwechsel-Werte können sich einpendeln. Außerdem können alte Zellbestandteile abgebaut und neue aufgebaut werden.

Auch das Immunsystem wird entlastet. Denn 80% unserer Immunsystems befindet sich im Darm, da dieser die größte Angriffsfläche für Antigene bildet und durch die Nahrungsaufnahme dort auch die meisten Fremdkörper ankommen. Durch einen Verzicht auf feste Nahrung wird das Immunsystem für eine gewisse Zeit entlastet, der Darm wird gereinigt und kann sich regenerieren.

Ebenso wird das Wohlbefinden gesteigert. Durch den Abbau der überschüssigen Fettzellen und die Entgiftung Ihres Körpers stellt sich ein leichteres Körpergefühl ein. Das Verlangsamen des Herzschlages und das Sinken des Blutdrucks führen zu innerer Ruhe und zum Absinken des Stresslevels. Zusätzlich wird ab einer bestimmten Zeit des Fastens vermehrt das Glückshormon Serotonin freigesetzt.

Was gilt es bei einer Fastenkur zu beachten?

Fasten tut dem Körper gut, wie wir bereits festgestellt haben. Dennoch sollten Sie einige Dinge beachten, damit Sie Ihre Fastenkur gut überstehen und Ihren Organismus nicht allzu sehr belasten.

  • Muskelgewebe wird abgebaut: um das zu verhindern, sollte man während des Fastens auch Proteine, z.B. in Form von Buttermilch, zu sich nehmen
  • Körperwärme wird vermindert: man fröstelt leichter, deswegen sind Fastenkuren eher im Sommer als im Winter zu empfehlen
  • Herzschlag wird langsamer, Blutdruck sinkt: es kann zu Kreislaufproblemen kommen, Leistungssport und anstrengende Tätigkeiten sind zu vermeiden
  • Mundgeruch: als Zuckerersatzstoff baut der Körper Fettsäuren in Ketonkörper um, diese können zu unangenehmen Gerüchen führen
  • ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen nicht vergessen!
  • nie länger als 40 Tage fasten: kann zu bleibenden Schäden führen, z.B. zum riskanten Abbau des Herzmuskels
  • nach dem Fasten: ein paar Aufbautage sind vonnöten, da sich Magen verkleinert hat und Körper sich erst wieder umstellen muss

Welche Formen des Fastens gibt es?

Es gibt verschiedene Formen des Fastens, sei es aus religiösen Gründen oder aus gesundheitlichen Aspekten. Manche verzichten komplett auf feste Nahrung, andere wiederrum nur auf bestimmte Nahrungsmittel. Buchinger Heilfasten und Basenfasten zählen zu den bekanntesten Fastenkuren und werden hier kurz vorgestellt.

Buchinger Fasten

Otto Buchinger belebte Anfang des 20. Jahrhunderts das Fasten neu und begründete das Heilfasten – die heilende Wirkung von Fastenkuren. Heilfasten nach Buchinger ist eine reine Trinkkur. Man leitete die Fastenkur mit Entlastungstagen ein, mit denen man den Körper darauf einstellt. Es wird für ein paar Tage nur leichte Kost gegessen, und dann beginnt man für circa 5 Tage mit dem eigentlichen Fasten. Beim klassischen Buchinger Fasten werden über den Tag verteilt mindestens 3l Flüssigkeit zu sich genommen, aber nicht mehr als 500 Kalorien. Morgens beginnt man beispielsweise mit einem Kräutertee mit Honig, mittags nimmt man Gemüsebrühe oder Gemüsesaft zu sich, nachmittags Mineralwasser und abends wieder Gemüsebrühe oder Fruchtsaft. Dies wird von Yoga-Übungen und leichten sportlichen Betätigungen begleitet, außerdem werden abführende Mittel eingenommen, um eine komplette Darmentleerung zu erreichen. Nach der Fastenkur sollen ein paar Aufbautage folgen, in denen leichte Kost zu sich genommen wird, auch Wechselduschen und Bürsten-Massagen stehen an der Tagesordnung. Der Vorteil des Buchinger Fastens besteht darin, dass es nicht eine komplett kalorienarme Diät ist und so den Stoffwechsel nicht so sehr beansprucht wie eine Null-Diät. Kritisiert wird jedoch die Einnahme von abführenden Mitteln, diese würde den Körper unnötig belasten und zu Unwohlsein führen.

Basenfasten

Basenfasten

Es werden nur basische Lebensmittel gegessen. Vielen Dank an dbreen @pixabay.com für das Bild.

Beim sogenannten Basenfasten geht es um die Entsäuerung des Körpers. Unser Körper besteht zu über 80% aus Wasser, welches überall in unserem Organismus zu finden ist. Alle Flüssigkeiten haben einen sogenannten pH-Wert. Dieser pH-Wert gibt an, wie sauer oder wie basisch eine Flüssigkeit ist. Normalerweise befindet sich unser Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht. Doch durch falsche, säurebildende Ernährung wie zu viel Fett, Zucker, Zusatz- und Konservierungsstoffe, Koffein, Nikotin oder Stress gerät das Gleichgewicht außer Balance und der Körper übersauert. Dies kann viele negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben.

Mit dem Basenfasten soll unser Säure-Basen-Haushalt wieder ins Gleichgewicht gebraucht werden, der Körper soll entsäuert werden und ihm Basen zugeführt werden. Es werden also für eine bestimmte Zeit nur basische Lebensmittel gegessen, wohingegen saure Lebensmittel nach Möglichkeit komplett vermieden werden. Basische Lebensmittel sind vor allem in pflanzlichen Nahrungsmitteln zu finden, wie: Gemüse, Obst, Kräuter, Pilze, Keimlinge, Samen und Kerne sowie in einigen Nüssen wie Mandeln, Walnüssen und Pistazien. Säuren werden während des Basenfastens komplett von der Speiseliste gestrichen, dies sind unter anderem zu finden in: Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Zucker, Kaffee, Softdrinks und in allen Getreidearten und Hülsenfrüchte. Wichtig ist, dass Sie ausreichend trinken, um die Säure über alle möglichen Wege zu neutralisieren und hinauszubefördern.

Der große Vorteil des Basenfastens ist, dass Sie hierbei zwar Ihre Ernährung umstellen, aber weiteressen dürfen. So können Sie auch weiterhin körperlich anstrengenden Tätigkeiten nachgehen. Die Basenkur hilft Ihnen dabei, Ihren Säure-Basen-Haushalt im Körper wieder auszubalancieren. Allerdings fallen die gesundheitlichen Vorteile, die beim „normalen Fasten“, also für eine bestimmte Zeit fast keine oder keine Nahrung zu sich zu nehmen, weg.

Ist Fasten zum Abnehmen geeignet?

Viele streben eine Fastenkur an, weil Sie abnehmen wollten. Doch hilft das überhaupt beim Abnehmen? Gefastet werden sollte stets nur auf eine bestimmte Zeit, denn länger als 4 Wochen auf feste Nahrung zu verzichten kann den Organismus nachhaltig schädigen. Während des Fastens werden Sie feststellen, dass Sie an Gewicht verlieren. Denn der Körper zehrt nun an den eigenen Energiereserven, was meist überschüssige Fettdepos sind. Nach dem Fasten sollte man sich ein paar Aufbautage gönnen, da sich der Magen verkleinert hat und sich erst wieder an normale Nahrung gewöhnen muss. Doch nachdem Sie in ihre alten Essgewohnheiten zurückgefallen sind, kann es durchaus zum JoJo-Effekt kommen.

Fasten ist also für kurzfristiges Abnehmen geeignet, doch wer danach wieder in einen ungesunden Lebensstil zurückfällt, wird die Pfunde wieder schneller draufhaben, als einen lieb ist. Ein übermäßiger Genuss von verarbeiteten Nahrungsmitteln, zu viel tierisches Eiweiß, Fett und Zucker begünstigen Übergewicht und Krankheiten wie Diabetes. Auch wenn Fasten dazu beiträgt, Gifte aus dem Körper zu spülen und das Gewicht zu regulieren, so ist auf Dauer ein ausgewogener Lebensstil unverzichtbar, um abzunehmen und gesund zu bleiben. Besser sind darum kleine Schritte, „ein bisschen Askese“: beispielsweise das Reduzieren von Zucker, das Minimieren von tierischen Fetten, Alkohol und Fertigprodukten sowie ein ausreichender Verzehr von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.

Fasten Abnehmen

Fasten hilft nur beim kurzfristigen Abnehmen. Vielen Dank an PublicDomainPictures @pixabay.com für das Bild.

Wer sollte Fastenkuren vermeiden?

Auch wenn das Fasten viele gesundheitliche Vorteile mit sich bringt, ist es dennoch nicht für alle geeignet. Die körperlichen Belastungen sind nicht zu unterschätzen! Gerade bei Herzkrankheiten ist eine Fastenkur tabu, da währenddessen die körpereigenen Eiweißreserven angezapft werden, und es auch zum Abbau des Herzmuskels kommen kann. Auch bei anderen chronischen Krankheiten, bei Krebspatienten sowie Erkrankungen von Niere oder Leber oder Kreislaufbeschwerden sollte darauf verzichtet werden. Ebenso ist Schwangeren nicht dazu zu raten. Außerdem sollte keine Fastenkur länger als 40 Tage dauern, da sonst der Organismus nachhaltig geschädigt wird. Auch sollte jeder, der länger als eine Woche fastet, sich von einem Arzt betreuen lassen.

Fazit
Es ist kein Geheimnis, dass Fasten dem Körper und dem Geist guttut. Einerseits hilft Heilfasten dabei, Giftstoffe aus dem Körper zu schwemmen, andererseits hat der Körper nun Energie übrig, die sonst zum Verdauen benutzt wird, um den Organismus zu regenerieren. Nach einiger Zeit des Fastens stellt sich eine körperliche und geistige Ruhe ein und das Glückshormon Serotonin wird ausgeschüttet. Allerdings sollten Sie es mit dem Fasten nicht übertreiben, es ist wichtig, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und nicht zu lange zu fasten. Bei chronischen Krankheiten ist eine Fastenkur nicht zu empfehlen.

Folgende Artikel und Vergleichstabellen könnten ebenfalls spannend für Sie sein:
Bio und vegane Foodbox Vergleich
Diät Produkte Online Shops Vergleich
Nahrungsergänzungsmittel und Superfood Online Shops Vergleich
Bio und Vegane Online Shops Vergleich
Vegane Ernährung – so klappt die Umstellung
Bioprodukte – Pro und Contra

Vielen Dank an congerdesign @pixabay.com für das Titelbild.
Autorin: Barbara Huber

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

For security, use of Google's reCAPTCHA service is required which is subject to the Google Privacy Policy and Terms of Use.

If you agree to these terms, please click here.