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Foodsharing – Der Trend gegen Lebensmittelverschwendung

Das sogenannte Foodsharing verbreitet sich zunehmend in immer mehr Städten und setzt ein Zeichen gegen Verschwendung. Aber was ist eigentlich Foodsharing und wie fängt man damit an? Die wichtigsten Infos gibt es hier.

 

Foodsharing – was ist das eigentlich?

Das Foodsharing als Konzept nahm seinen Anfang bereits im Jahr 2011. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten einige Leute parallel an einer Möglichkeit, wie man Lebensmittelverschwendung eindämmen könnte. Aus diesen Überlegungen entstand die Internetplattform foodsharing.de. Das Grundkonzept ist ganz einfach: Lebensmittel werden von Privat an Privat aber auch von Unternehmen an Privat weitergegeben – Gratis. Die Lebensmittel sind dabei zu großen Teilen kurz vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums oder haben dieses sogar bereits überschritten.  Natürlich wird aber versucht sicherzustellen, dass sie immer noch genießbar sind. Trotzdem liegt es auch in der Verantwortung der Konsumenten, die Waren noch einmal zu prüfen.

Erstens werden durch sogenannte Foodsaver Lebensmittel von Unternehmen und Privatpersonen abgeholt. Im nächsten Schritt werden diese dann in sogenannte Fairteiler in Städten oder an öffentlichen Plätzen ausgelegt. Hier können andere Menschen, völlig egal wer, sich das Essen wiederum abholen. Die Standorte dieser Fairtailer sind auf foodsharing.de festgehalten. Viele Fairteiler gibt es zum Beispiel schon an Universitäten, so etwa an der Uni Ulm, der Uni Darmstadt, der Uni Halle und vielen weiteren. Organisiert wird das Ganze hier meist von der jeweiligen Studentenvertretung.

Zweitens kann über die Website foodsharing.de auch jede Privatperson sogenannte Essenskörbe veröffentlichen. Das bedeutet, man gibt einfach an, was man abzugeben hat und – wenn man möchte – was man eventuell gerne im Tausch hätte. Dann müssen nur noch der Ort und eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme angegeben werden.

In Abgrenzung zu Organisationen wie der Tafel, die Lebensmittel speziell an Bedürftige weitergibt, geht es beim Foodsharing generell um die Eindämmung von Verschwendung. Hier kann also jeder mitmachen, ungeachtet des sozialen Hintergrundes. So gab es zum Beispiel im August 2016 eine Aktion der Foodsharing Community, bei der diese auf dem Karlsplatz in München knapp 500 Kilogramm gerettetes Gemüse kochten und als Eintopf an Passanten verschenkten.

 


Quelle:https://www.youtube.com/watch?v=dqsVjuK3rTc

 

Wie kann ich beim Foodsharing mitmachen?

Um sich zu beteiligen, kann man auf der Website foodsharing.de entweder als Foodsaver oder als Foodsharer starten.

Sich als Foodsharer auf der Seite anzumelden bedeutet, immer die neusten Informationen von der Seite zu bekommen und sich in der Community beteiligen zu können. Man kann selbst angeben, welche Lebensmittel man abzugeben hat und diese anbieten. Außerdem werden die genauen Daten von Essenskörben in der Umgebung nur angezeigt, wenn man sich angemeldet hat.

Wer allerdings als Foodsaver (also als jemand, der zum Beispiel Essen von Unternehmen abholt und zu einem Fairteiler bringt) anfangen möchte, muss zunächst ein kleines Quiz absolvieren. Außerdem muss ein potentieller Foodsaver dreimal, sozusagen als Einstellungstest, Essen von Unternehmen abholen und zum Fairteiler bringen. So stellt Foodsharing.de sicher, dass nur Menschen als Foodsaver arbeiten, die auch wirklich helfen wollen.

Als Foodsaver geht man dann zum Beispiel zu Supermärkten, die mit der Foodsharing Community kooperieren. Hier zeigt man den offiziellen „Foodsaver Ausweis“ dem Ladenbesitzer vor und bekommt das Essen ausgehändigt, das der Markt nicht mehr verwenden kann. Dabei kann es sich um etwas zu alte Möhren handeln aber auch eine Keksschachtel, die an ein paar Stellen eingedrückt ist, wird von den meisten Märkten schon nicht mehr verkauft.

foodsharing lebensmittel

Und diese Hilfe, bzw. das Engagement ist bitter nötig. Nach Statistiken von 2014 werden in Deutschland jährlich über 18 Millionen Tonnen an Lebensmittel weggeworfen. Die Hälfte davon ließe sich vermeiden, da die Nahrungsmittel eigentlich noch essbar sind oder vor dem Verderben hätte weitergegeben werden können.

Die Foodsharing Appfoodsharing app

Relativ neu ist die Foodsharing App, die ebenfalls von den Betreibern von foodsharing.de entwickelt wurde. Mit dieser kann man jederzeit sehen, wo sich
Fairteiler
in der Nähe befinden. Außerdem kann man ganze einfach neue Essenskörbe einstellen und suchen. Die Foodsharing App bietet dabei eine Reihe von Kategorien, wodurch man zum Beispiel festlegen kann, ob man Backwaren, Milchprodukte etc. abzugeben hat. Außerdem kann über die App direkt Kontakt zu den Anbietern von Lebensmitteln aufgenommen werden.

Kritik und Probleme in Bezug auf Foodsharing

Da die Plattform foodsharing.de seit ihrer Onlinestellung 2012 stetig gewachsen ist und mittlerweile über 20.000 Mitglieder mit über 3000 aktiven Helfern zählt, ist die Idee des Foodsharings immer häufiger in den Fokus der Medien geraten.

Gerade in Berlin ist das Foodsharing den Behörden ein Dorn im Auge. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat die Berliner Veterinär- und Lebensmittelaufsicht ein grundsätzliches Problem mit dem Konzept und vor allem mit der Idee vom Fairteiler. Besonders aufgrund fehlender Kontrolle seien die Inhalte der Kühlschränke potenziell gesundheitsgefährdend. Deswegen wollen sie die Fairteiler jetzt als „Lebensmittelbetriebe“ einordnen, was den bisher rein ehrenamtlichen Betrieb der öffentlichen Nahrungsquellen fast unmöglich machen würde. Das liegt vor allem daran, dass Lebensmittelbetriebe sehr strenge Auflagen erfüllen müssen und von mindestens einer Person rund um die Uhr betreut werden sollten.

Viele Anhänger der Community sind über diese Entwicklung und die Bedenken zur Lebensmittelsicherheit wütend und kritisieren zum Beispiel, dass hier den Verbrauchern keine Eigenverantwortung überlassen wird. Bisher seien keine Lebensmittelvergiftungen oder ähnliches durch das Fairteilen bekannt und die meisten Menschen könnten selbst einschätzen, wann ein Lebensmittel noch genießbar ist.

Fazit

Immer mehr Menschen entwickeln ein zunehmend kritisches Bewusstsein für die Verschwendung von Lebensmitteln. Der Trend des Foodsharings ist nur ein Anzeichen dafür. In Frankreich müssen große Supermärkte ihr nicht mehr verkaufbares Essen mittlerweile Spenden oder Recyclen. Und in Deutschland kämpfen einige Politiker mittlerweile dafür, dass Mindesthaltbarkeitsdatum in einigen Fällen abzuschaffen, damit die Produkte seltener weggeworfen werden.

 
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Bildquelle: Vielen Dank an OpenClipart-Vectors und Clker-Free-Vector-Images und bykst für die Bilder (© OpenClipart-Vectors/www.pixabay.com / (© Clker-Free-Vector-Images/www.pixabay.com / bykst/www.pixabay.com).

Redakteur: Stephan Gert

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