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Gefälschte Lebensmittel: So erkennen Sie Imitate

Gefärbte Oliven, Reis aus Kunststoff und gepanschtes Olivenöl: Gefälschte Lebensmittel sind weltweit verbreitet und stellen hohe Gesundheitsrisiken für die Verbraucher dar. Unter Lebensmittelfälschungen oder Lebensmittelbetrug versteht man das vorsätzliche Inverkehrbringen von Lebensmitteln mit dem Ziel, einen finanziellen oder wirtschaftlichen Vorteil zu erlangen. Doch wie sieht so eine Lebensmittelfälschung überhaupt aus?

Hierfür werden unterschiedliche Methoden angewendet. Unter anderem werden beispielsweise unerlaubte Zusätze verwendet, die zu einer Änderung der Lebensmittel führen oder es werden unzureichende oder gar falsche Angaben auf dem Etikett vorgenommen.

Von Chemikalien über Plastikreis bis hin zu falschen Etiketten

Die Bandbreite an gefälschten Lebensmitteln ist groß. So werden wertvolle Inhaltsstoffe durch billigere Ersatzstoffe ausgetauscht oder es wird eine fälschliche Verwendung von Bio- oder Tierschutzlogos angeführt. Besonders gefährlich wird es für Allergiker, nämlich dann, wenn in der Haselnusstüte günstigere Erdnüsse enthalten sind. Es gibt somit zahlreiche Beispiele für Lebensmittelfälschungen und je mehr Ländergrenzen das Produkt überquert, desto schwieriger haben es die Kontrollbehörden.

„Lebensmittelbetrug ist überall möglich, wo es sich lohnt“, so heißt es beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Aus Sicht der Behörde spielen die Betrüger inzwischen in derselben Liga wie Drogendealer und Menschenhändler.

Doch bemerken Supermarktkunden den Betrug und wissen, bei welchen Lebensmitteln es sich um Fälschungen handelt? Andreas Kliemant, gelernter Tierarzt, hat dies auf der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin getestet und setzte den Besuchern drei kleine Becher mit Öl vor. Zwei Becher waren mit echtem Olivenöl gefüllt, während im dritten Becher gefälschtes Olivenöl enthalten war. Das gefälschte Olivenöl war eine Kreation aus Spinat und Wasabi, das anscheinend bei den Besuchern gut ankam, denn diese nahmen an, dass es sich um echtes Olivenöl handle.

Gefärbtes Chili, mit Gel aufgespritzte Garnelen und Bio-Eier, die in Wirklichkeit gar nicht bio sind – auf all die gefälschten Lebensmittel stießen Kontrolleure im Ausland. In Griechenland und Großbritannien wurden illegale Fabriken zum Panschen von Alkohol entdeckt, auch Flaschen und Labels teurer Marken sind betroffen. Zudem konnten Ermittler in Thailand den Verkauf von 30 Tonnen Büffel- und Rindfleisch aus Indien verhindern. Das Fleisch war zum Verzehr ungeeignet, sollte aber in Supermärkten verkauft werden. Doch auch in Deutschland sind Lebensmittelskandale nichts Neues, denkt man da beispielsweise an den Pferdefleischskandal im Jahr 2013.

Seitdem wird der Bereich der Lebensmittelfälschung weiter ausgebaut und es hat sich mittlerweile ein europaweites Netzwerk gebildet. Mithilfe eines besseren Austauschs soll versucht werden, die Betrüger schneller ausfindig zu machen. In diesen Prozess sind die Staatsanwaltschaften, der Zoll und die Polizeibehörden Europol und Interpol mit eingebunden.

Bild Fleisch

Bildquelle: Vielen Dank an WerbeFabrik für das Bild (©WerbeFabrik/www.pixabay.de)

So viele gefälschte Lebensmittel wie noch nie

Bei der von Europol und Interpol koordinierten „Operation Opson V“ wurden in vier Monaten von November 2015 bis Februar 2016 mehr als 10.000 Tonnen und eine Millionen Liter gefälschte Lebensmittel sichergestellt. Darunter fallen unter anderem gefärbte Oliven aus Italien, mit Kunstdünger verlängerter Zucker aus dem Sudan und gepanschter Wein aus Griechenland. Dies sei eine Rekordmenge von gefälschten Lebensmitteln und Getränken, teilte Europol mit. Zudem warnt Europol, dass die Waren hohe Gesundheitsrisiken für die Verbraucher darstellen.

„Wie viel wirklich gefälscht wird, kann niemand sagen“, so Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Schätzungen zufolge kann man jedoch davon ausgehen, dass in etwa 10% der Lebensmittel gefälscht sind. Die Betrugsmeldungen nehmen dabei zu, wobei dies auch daran liegen könnte, dass Lebensmittelfälschungen heute häufiger auffliegen, sagt Matthias Frost vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Eine weitere Annahme ist, dass der Betrug wirklich zunimmt, da Menschen bereit sind, immer mehr Geld für besondere Lebensmittel auszugeben. „Heutzutage kennen die Verbraucher die Bäcker, Metzger oder Olivenölhändler nicht persönlich, weshalb Lieferketten komplizierter werden und das den Betrug letztlich leichter macht“, so Frost.

Wie können Lebensmittelfälschungen erkannt werden?

„Sind die Lebensmittelfälschungen gut gemacht, seien sie für die Kunden kaum zu erkennen“, so der Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Helmut Tschiersky. Verbraucher, die sich vor Lebensmittelfälschungen schützen wollen, sollten aufmerksam sein. „Kostet ein hochwertiges Olivenöl nur drei Euro, dann stimmt wahrscheinlich etwas nicht“, so Tschiersky.

Neben Käse und Schinken, werden heutzutage immer mehr Lebensmittel künstlich im Labor hergestellt. Vanilleeis ohne echte Vanille oder Schokokekse, die gar keine wirkliche Schokofüllung haben. Um Betrug handelt es sich dann, wenn beispielsweise ein Produkt als Käse ausgegeben wird, es sich in Wirklichkeit jedoch um ein Käseimitat handelt. Im Klartext heißt das, dass auf der Produktbeschreibung nur das stehen darf, was auch wirklich drin ist.

Beim Kauf von Speiseeis sollte auf Bezeichnungen wie „Eiscreme“, „Milcheis“ oder „Cremeeis“ geachtet werden, denn nur mit dieser Angabe handelt es sich um „echtes“ Milcheis. Wird nämlich zum Eis Pflanzenfett zugesetzt, darf das Produkt nur die Bezeichnung „Eis“ tragen. Auch wenn das Eis nicht aus echtem Vanille, sondern aus Billigaromen hergestellt worden ist, ist ebenfalls die Bezeichnung „Vanilleeis“ unzulänglich. Allenfalls darf auf der Verpackung „Eis mit Vanillegeschmack“ stehen.

Bild Vanilleeis

Bildquelle: Vielen Dank an silviarita für das Bild (©silviarita/www.pixabay.de)

Möchte man herausfinden, ob die Schinken Pizza echten Kochschinken enthält, sollten in der Produktbeschreibung Wortverbindungen mit „Schinken“ auftauchen, denn das Wort „Schinken“ darf nur auf der Verpackung stehen, wenn echter Kochschinken verwendet worden ist. Andernfalls handelt es sich um Schinkenimitate. Häufig liegt der Fleischgehalt bei Imitaten gerade einmal bei 50 bis 65% und der Rest verteilt sich auf Wasser, Bindemittel, Verdickungsmittel oder Eiweißhydrolysate.

Auch Meeresfrüchte Imitate können erkannt werden. Handelt es sich nämlich um Imitate lautet die korrekte Bezeichnung „Surimi, Garnelen-Imitat aus Fleischmuskeleiweiß geformt“. Auch für andere nachgemachten Produkte, gilt die entsprechende Kennzeichnung. Die Bezeichnung „Surimi-Garnelen“ reicht dagegen nicht aus.

Fazit: Durch gefälschte Lebensmittel entsteht für den Verbraucher in der Regel keine Gefahr. Ist man jedoch Allergiker sieht dies schon anders aus. Enthält ein Produkt allergene Zutaten, welche nicht gekennzeichnet sind, kann dies lebensbedrohlich für den Verbraucher sein. Regelmäßige Lebensmittelkontrollen durch Hersteller und Behörden sind daher in jedem Fall erforderlich, um einen möglichen Betrug aufzudecken.

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