Großkonzerne

Illusion der Auswahl: Welche Großkonzerne hinter den Marken stecken

Die Auswahl an verschiedenen Markenprodukten ist eine Täuschung. Welche Großkonzerne wirklich dahinter stecken und was das bedeutet…

Die große Auswahl an verschiedenen Markenprodukten kann einen im Supermarkt erschlagen. Doch gleichzeitig genießt man den typischen Aufbau von Supermärkten und die Freiheit ein Produkt von einer Marke zu kaufen, die einen eventuell mehr anspricht als eine andere. Doch welcher Großkonzern hinter den eigentlichen Marken steckt, wissen die wenigsten.

Bei genauerer Recherche ließ sich feststellen, dass es sich bei den Großkonzernen lediglich um zwei Händevoll handelt, die den gesamten Markt kontrollieren. Das Phänomen der freien Wahlmöglichkeit wird hier aufgeklärt und die mächtigsten Großkonzerne vorgestellt.

Nestlé

Dass KitKat, Nespresso, Smarties, Nesquik und Co. zum Konzern Nestlé gehören, überrascht niemanden mehr. Aber man würde nicht so schnell darauf kommen, dass die Untermarken von L’Oréal, wie besipielsweise Garnier, TheBodyShop und Maybelline New York, ebenfalls zu diesem Großkonzern gehören.

Nestlé ist der weltweit größte Mineralwasser- und Milchproduzent und somit das umsatzstärkste Großunternehmen der Welt. Auch was Babynahrung, Konsumgüter und Kaffee angeht, steht Nestlé auf Platz eins der Großkonzern-Weltrangliste. 1866 wurde das Unternehmen von Henrí Nestlé gegründet, um ein Milchpulver für Säuglinge auf den Markt zu bringen. Heute verkauft Nestlé die unterschiedlichsten Produkte in 150 Ländern.

Die bekanntesten Marken, die in Deutschland verkauft werden und von Nestlé aufgekauft oder gegründet wurden sind, neben den bereits genannten, Nestea, Vittel, Nescafé, Caro, BeBa, Alete, Mövenpick, Frisco, Thomy, Herta, und Maggie.

Mars Incorporated

Neben Nestlé gehört Mars Incorperated zu den Megakonzernen. Außer den Süßigkeiten Mars, Twix, Bounty und Snickers, bei denen man bereits vermuten kann, dass sie den selben Hersteller haben, hat der Konzern weitere Töchterfirmen und Produkte wie Orbit, Knorr, Uncle Bens, Pedigree und Whiskas inne. Da kann man nur hoffen, dass sich in den unterschiedlichen Produkten auch unterschiedliche Zutaten befinden.

1911 wurde Mars Incorporated gegründet und 1932 mit der Erfindung des Mars-Schokoriegels zu einem weltweit einflussreichen Unternehmen. Mittlerweile werden die Produkte in 74 Ländern verkauft und der Konzern beschäftigt circa 72000 Mitarbeiter.

Auch Mars Incorporated kaufte eine Vielzahl an kleineren Unternehmen und deren Produkte auf oder brachte neue Marken auf den Markt. Zusätzlich zu den bereits genannten sind das beispielsweise Ebly, Mirácoli, Extra, Juicy fruits und 5 Gum. Aber ganz besonders was Schokolade und Schokoriegel angeht, kommt man an Mars Incorporated nicht vorbei. Was viele nicht wissen ist, dass auch Milky Way, M&M’s, Dove und Topic zu den Marken gehören, die unter diesem Unternehmen stehen.

Unilever

Unilever existiert in der bestehenden Form seit 1929. Ein britisches und ein niederländisches Unternehmen fusionierten und wurden somit zu einem der größten Hersteller von Verbrauchsgütern vor allem in Bezug auf Kosmetikartikel, Körperpflege-, Haushalts- und Textilpflegeprodukte.
Unilever beschäftigt 172.000 Mitarbeiter in circa 100 Ländern. Anders als bei Mars Incorporated und Nestlé kommt der Name des Konzerns in keinem „Vorzeigeprodukt“ vor, was allerdings nicht bedeutet, dass Unilever diese Vorzeigeprodukte nicht aufzuweisen hätte.

Insgesamt stehen unter Unilever 400 Marken. Dazu gehören zum Beispiel Lipton, BiFi, Langnese, Magnum, Cornetto, Ben&Jerry’s, Becel, Stork, Domestos, Axe, Dove, Rexona, Rama, Mondamin und Lätta.

Des Weiteren ist Unilever der weltweit größte Teeproduzent und beansprucht darüber hinaus drei Prozent der weltweiten Tomatenernte für ihre Suppen und Pulver.

Mondeléz International

1903 wurde das kleine Unternehmen Kraft gegründet, da James Lewis Kraft, ein junger Farmer aus der Nähe Chicagos, einen Käseladen eröffnen wollte. Das Unternehmen wurde häufig aufgekauft und fusionierte mit anderen Firmen. Seit 2012 heißt es Mondeléz International und gehört zu den drei größten Nahrungsmittelherstellern der Welt.

Der Konzern beliefert rund 155 Länder und beschäftigt circa 110.000 Mitarbeiter.
Hergestellt werden hier Produkte der Marken Oreo, Tassimo, Milka, Daim, Kaba, Toblerone, Bel Vita, Nabisco, Philadelphia und Miracel Whip, Schweppes, Jacobs und Bulls-Eye. Nach dem alten Namen des Unternehmens existiert auch noch die Marke Kraft.

PepsiCo

Dass die Pepsi der größte Konkurrent der Coca-Cola ist, wissen viele. Dass dahinter aber zwei der größten Lebensmittelkonzerne der Welt stehen, ist vielleicht etwas unbekannter. 1965 schlossen sich die Firmen Pepsi-Cola und Frito-Lay zum heute bestehenden Unternehmen PepsiCo zusammen.
Aber nicht nur die Cola, die dem Unternehmen ihren Namen verdankt, gehört zu den Marken PepsiCos. 7 UP, Punica, Schwip Schwap gehören ebenfalls ins Sortiment.
In Deutschland sind allerdings nur wenige Markenprodukte von PepsiCo zu erhalten. Der Konzern konzentriert sich auf den amerikanischen Markt und überholte dort 2005 Coca-Cola, was den Marktanteil (circa 39%) angeht.

Coca-Cola-Company

Die Coca-Cola-Company ist der weltweit größte Softdrinkhersteller und auf dem Markt mit Marken wie Coca-Cola, Fanta und Sprite vertreten.
Das Unternehmen wurde tatsächlich aufgrund des namensgleichen Getränks gegründet. John Stith Pemberton erfand 1886 die Coca-Cola, da er sich ein Getränk gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen und Depression mischen wollte. Er verkaufte das Rezept an einen Apotheker, der 1896 dann die Coca-Cola-Company gründete.

Auch dieser Großkonzern kaufte immer mehr kleine Firmen auf und vergrößerte so seinen Marktanteil. Zu den produzierten Getränken gehören natürlich nicht nur Coca-Cola, Fanta und Sprite. Mezzo-Mix, Bonaqua, Lift, Apollinaris, Smart water und Monster gehören zu den Marken, die von der Coca-Cola-Company in Deutschland verkauft werden.

Diese sechs Großkonzerne haben viel Einfluss auf dem Markt und teilweise hunderte Tochterfirmen unter sich. Doch ein paar weitere Großkonzerne sind genauso mächtig wie die hier aufgezählten.

Kellogg‘s beispielsweise stellt die Marken Pringles, Special K, Kellogg‘s Cornflakes, Toppas, Choco Crispies und viele andere her.

Auch Danone hat einen sehr großen Marktanteil. Zu diesem Großkonzern gehören unter anderen Evian und Volvic, Actimel, Activia und Fruchtzwerge.

Lebensmittelkonzerne

Bildquelle: Konzernatlas 2017

Konsequenz der Konzentration von Lebensmittelherstellern

Durch das extreme Aufkaufen von kleineren Unternehmen, erhalten die Großkonzerne einen immer größeren Marktanteil. Und je größer der Marktanteil der Firmen ist, desto größer ist ihr Machteinfluss. Dieser wirkt sich auf die Preise der Produkte und Geschäftsbedingungen der Arbeitnehmer aus, aber auch auf die Politik. Nestlé verhinderte beispielsweise ein Gesetz, welches Kinder- und Zwangsarbeit abschaffen sollte.

Und an diesem Punkt kommen wir an ein weiteres Problem. Die Großkonzerne können es sich leisten auf gute Arbeitsbedingungen und Umweltschutz zu verzichten. Arbeiter und Bauern werden vor allem in Entwicklungsländern ausgenutzt und schlecht bezahlt. Des Weiteren verursachen die zehn größten Konzerne jedes Jahr rund 264 Millionen Treibhausgase, das ist mehr als die meisten Staaten hervorbringen.

Wie groß der Einfluss von Unilever und Co. wirklich ist erkennt man an dem Beispiel Chinas. 90% der Chinesen sind Laktose intolerant. Trotzdem importiert Nestlé ununterbrochen tonnenweise Milch. Um die Unverträglichkeit kümmerte sich Nestlé ebenfalls. Mit Produkten der Marke Nestlé Nutrition, deren Produkte angeblich speziell für Allergiker hergestellt werden, machte Nestlé einen Umsatz von 7,9 Milliarden CHF. Der Milchimport nach China steigt ständig an.

Bewusst Einkaufen

Natürlich ist es für den Supermarktkunden in Deutschland schwierig auf alles zu achten und wenn man ehrlich ist, ist es unmöglich alle Marken der einzelnen Großkonzerne im Kopf zu behalten. Trotzdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man, wenn man beispielsweise ein Vittel-Mineralwasser kauft den Großkonzern Nestlé unterstützt, der keinen großen Wert auf faire Arbeitsbedingungen legen.

Darüber hinaus sollte man es sich bewusst machen, dass die große Auswahl in den Supermärkten von Marken und No-Name-Produkten nur eine Illusion ist. Man sollte also versuchen beim Großteil seiner Lebensmittel darauf zu achten woher sie kommen und am besten immer Regionales kaufen.

Wer mehr über die Konzentration in der Lebensmittelindustrie und die Macht der Großkonzerne erfahren will, sollte sich den Konzernatlas 2017 anschauen, welcher als Kooperationsprojekt von der Heinrich-Böll-Stiftung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Oxfam Deutschland,
Germanwatch und Le Monde diplomatique entstanden ist.

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Bildquelle: Vielen Dank an 27707 für das Bild (© 27707 / pixabay.com).

Redakteur: Anna Heinze

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