Nährwertkennzeichnung

Nährwertkennzeichnung seit dem 13.12.2016 für alle EU-Staaten verpflichtend

Ab Mitte Dezember 2016 sind Lebensmittelhersteller laut Verordnung der Europäischen Kommission laut dazu verpflichtet, vorverpackte Lebensmittel mit einer Nährwertkennzeichnung zu versehen. Bisher waren Nährwertangaben freiwillig.

Wir klären auf, was sich genau hinter dem Begriff „Nährwertkennzeichnung“ verbirgt und welche Auswirkungen diese sowohl auf die Lebensmittelhersteller als auch auf den Verbraucher hat.

Was beinhaltet die neue Nährwertkennzeichnung?

Bei der Nährwertkennzeichnung handelt es sich um eine Übersichtstabelle auf der Produktverpackung, welche die sieben wichtigsten Nährwerte des Lebensmittels, die sogenannten „Big 7“, aufführt.

Der Verbraucher findet also nun in jedem, in der EU zum Verkauf angebotenen und vorverpackten Lebensmittel Nährwertangaben zu:

• Brennwert/ Energiegehalt
• Fett
• gesättigte Fettsäure
• Kohlenhydrate
• Zucker
• Eiweiß
• Salz

Die Angaben beziehen sich immer auf eine Lebensmittelmenge von 100 g beziehungsweise 100 ml.
In Bezug auf den Energiegehalt bzw. den Brennwert muss die Angabe in Kilojoule und Kilokalorien erfolgen.
Die Nährwerttabelle muss mit einer Mindest-Schriftgröße von 1,2 mm sichtbar auf dem Produkt angebracht sein. Bei kleinen Verpackungen gilt eine Mindest-Schriftgröße von 0,9 mm.

Wie sah die Nähwertkennzeichnung vor der neuen Verordnung aus?

Bisher waren solche Nährwertangaben freiwillig. Es gab jedoch die Ausnahme, dass Nährwerttabellen vorgeschrieben waren, wenn das Produkt direkt mit seinem besonderen Nährwert oder mit einer gesundheitsfördernden Wirkung warb.

Wurde ein Lebensmittel also als fettarm deklariert, musste es nach der bisherigen „Big 4“-Regel mit Angaben zum Brennwert, dem Eiweißgehalt, den Kohlenhydraten sowie zum Fettgehalt versehen werden.

Bei einer Produktkennzeichnung in Bezug auf einen geringen Zuckergehalt oder der Kennzeichnung „ballaststoffarm“ oder „natriumarm“, dann kam die „Big 8“-Regel zum Einsatz. Diese beinhaltete zusätzlich zu den „Big 4“ Angaben zum Zuckergehalt, zu den gesättigten Fettsäuren, den Ballastststoffen und Natrium.
Andernfalls war eine Nährwertkennzeichnung nicht vonnöten.

Welche zusätzlichen bzw. freiwilligen Angaben gibt es?

Abgesehen von den gesetzlich festgeschrieben sieben Nährwertangaben, dürfen die Hersteller ihre Produkte mit folgenden Zusatzinformationen versehen:

• Gehalt von Ballaststoffen
• Gehalt von (einfach und mehrfach) ungesättigten Fettsäuren
• Stärkegehalt
• Gehalt von mehrwertigen Alkoholen
• Gehalt von Vitaminen und Mineralstoffen

In Bezug auf den Vitamin- und Mineralstoffgehalt ist eine Mindestmenge von 15 Prozent der empfohlenen Tagesmenge nötig, damit eine solche Angabe gestattet wird.

Eine weitere Option besteht darin, den prozentualen Anteil an der empfohlenen Tagesdosis der einzelnen Nährwerte auf der Produktverpackung zu vermerken.

Wie sehen die Nährwerttabellen aus?

In der EU kursieren drei verschiedene Nährwertkennzeichnungs-Modelle. Zum einen gibt es die GDA-Kennzeichnung, das Keyhole-Modell und die Ampelkennzeichnung.

Die GDA-Kennzeichnung

In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern verbreitet ist das Guideline Daily Amounts (GDA) System. Übersetzt bedeutet diese Kennzeichnung so viel wie „Richtwert für die Tageszufuhr“. Diese Variante, welche meist in Form von kleinen Tonnen dargestellt wird, soll Nährwertinformationen grundsätzlich verständlicher machen. Der Anteil der einzelnen Nährwerte in Gramm oder auch Kilokalorien, wird ein prozentualer Wert zugeordnet. Dieser zeigt an wieviel Prozent man in Bezug auf den Richtwert der täglichen Tageszufuhr durch den Verzehr des Produktes zu sich nimmt.

Dieser Richtwert ist jedoch ein Durchschnittwert und daher solche Prozentangaben nicht für Frauen und Männer, Kinder, Erwachsene oder Senioren gleichzusetzen.

GDA

Quelle: European Food Information Council

Das Keyhole-Modell

Schweden bedient sich hingegen dem Keyhole-Modell. Seit 1989 gibt es die von der National Food Administration (NFA) entwickelte Variante. Lebensmittel, welche einen geringen Anteil an Fett, Zucker und Salz aufweisen und die zudem noch ballaststoffreich sind, werden mit einem grünen Schlüssellochsymbol gekennzeichnet.

Der Vorteil hierbei besteht darin, dass der Kunde direkt zu dem mit dem Keyhole-Symbol gekennzeichneten Produkt greifen kann. Er muss weder die einzelnen Inhaltsstoffe der verschiedenen Produkte vergleichen, noch zwischen der bestimmten Anzahl grüner, roter und gelber Punkte entscheiden.

keyhole label

Quelle: European Food Information Council

Die Ampel-Kennzeichnung

Die britische Lebensmittelbehörde Food Standard Agency (FSA) entwickelte dieses Modell, um dem Verbraucher auf eine schnelle und einfache Weise aufzuzeigen, ob ein Lebensmittelprodukt einer gesunden Ernährung zuträglich ist oder nicht.

Das Modell bedient sich der drei klassischen Ampelfarben: Grün, Gelb und Rot. Hierbei gibt es bestimmte Grenzmengen, welche entscheiden, ob ein Produkt für den jeweiligen Nährstoff einen grünen, einen gelben oder einen roten Punkt erhält.

Die Farbe Grün zeigt an, dass das Lebensmittel einen geringen Anteil an Fett, Salz oder Zucker hat und somit gesund ist.
Die Farbe Gelb ist ein Anzeichen für das sogenannte Mittelmaß. Der jeweilige Nährstoff ist in einem durchschnittlichen Maß in dem Lebensmittel enthalten. Grün wäre zwar die idealere Variante, aber das Nahrungsmittel ist nicht grundsätzlich schlecht.

Die Signalfarbe Rot wird für all die Lebensmittel verwendet, deren Fett-, Zucker- oder Salzgehalt hoch ist. Produkte, deren Nährwerttabelle größtenteils mit Rot gekennzeichnet ist, sollten nur selten verzehrt werden.

Gerade für Fertiggerichte eignet sich diese Form der Nährwertangabe, da sie dem Verbraucher direkt zeigt, ob das Produkt seiner Gesundheit zuträglich ist oder eher nicht. In Deutschland konnte man die Ampel-Kennzeichnung bisher nicht finden.

Ampel Kennzeichnung

Quelle: European Food Information Council

Ausnahmeregelung der Nährwertkennzeichnung

Einige Lebensmittel bedürfen bisher keiner Kennzeichnung. Hierzu gehören in erster Linie alkoholische Getränke, die mindestens 1,2% Alkohol enthalten. Allerdings wird sich die Europäische Kommission mit dieser Lebensmittelgruppe in Zukunft weiter beschäftigen. Eine zukünftige Nährwertkennzeichnung ist in diesem Bereich also nicht ausgeschlossen.
Weitere Produkte, die keiner Nährwertkennzeichnung bedürfen sind Produkte, welche nur aus einer Zutat bestehen. Hierzu zählen Obst und Gemüse, aber auch Kräuter und Gewürze, Mehl und Reis. Ebenfalls müssen Tees und Kaugummi sowie Backwaren beim Bäcker nicht gekennzeichnet werden.

Fazit
Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LIMV) soll den Verbraucher unterstützten sich über die im Supermarkt und in den Online-Supermärkten erhältlichen Lebensmittel und deren Wertigkeit in Hinblick auf eine gesunde Ernährung besser und schneller zu interessieren.

Dies macht jedoch eine ausreichende Aufklärung was genau gesundes Essen ausmacht nicht überflüssig. Es müssen weiterhin Schritte getan werden, damit die Motivation jedes einzelnen, gesunde Produkte zu wählen, gestärkt wird.

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Redakteur: Janine Paulig

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