Ökobilanz von Lebensmitteln

Ökobilanz – Wie sauber sind unsere Lebensmittel?

Ist Bio auch gleich Öko? Welche Lebensmittel sind besonders umweltverträglich und welche nicht? Diese und weitere Fragen zur Ökobilanz von Lebensmitteln sind für die Verbraucher fast nicht zu beantworten. Aus diesem Grund soll Ihnen der folgende Beitrag einmal einen Überblick über die Thematik geben.

Gesunde Ernährung liegt voll im Trend. Innerhalb der EU importiert kein Staat so viele Bio-Lebensmittel wie Deutschland und trotzdem ist die Nachfrage kaum zu decken. Ein Kaufgrund für Verbraucher ist neben der eigenen Gesundheit und artgerechter Haltung auch die vermeintlich bessere Umweltbilanz von Produkten mit den Bio-Siegeln.

Ökobilanz von Lebensmitteln – Pflanzlich ist besser als tierisch, oder nicht?

Bei der Ökobilanz von Lebensmitteln ist die Rechnung ganz einfach: Obst und Gemüse sind gut und tierische Produkte schädlich für die Umwelt. Den meisten Konsumenten, die sich umweltbewusst ernähren wollen, scheint diese Faustformel selbstverständlich. Leider trifft sie nicht immer zu.

Tatsächlich lässt sich die Umweltverträglichkeit verschiedenster Lebensmittel für den Einzelnen kaum bestimmen. Dafür hängt sie von zu vielen Faktoren ab.

Grundsätzlich stimmt es aber schon, dass pflanzliche Produkte bei der Herstellung einen niedrigeren CO2-Ausstoß haben als tierische. Zum Vergleich: Gemüsesorten wie beispielsweise Tomaten bringen es auf 500g CO2 je Kilogramm, dieselbe Menge Schinken dagegen auf 4.800g. Ein Kilogramm Butter benötigt sage und schreibe 23.800g CO2, Pflanzenmargarine gerade einmal 1.350g.

Dieser gewaltige Unterschied macht eine Menge aus: Das Swedish Institute for Food and Biotechnology fand heraus, dass ein Haushalt durch einen Umstieg von Butter auf Margarine 4-6% seiner jährlichen Emissionen sparen könnte.

Durchschnittlich konsumiert ein 2-Personenhaushalt jährlich rund 500 Kilogramm Lebensmittel. Wer hier also die richtigen Produkte auswählt, kann schon beim Frühstück eine Menge für die Umwelt tun.

Ökobilanz von Frühstück

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Welche Faktoren bestimmen über die Ökobilanz von Lebensmitteln?

Bei der Produktion von Milchprodukten und Fleisch entstehen durch Haltung und Viehzucht eine Reihe von Emissionen, darunter die Treibhausgase CO2 und Methan. Zudem werden für die Haltung von Nutzvieh hektarweise Weideland für die Futterproduktion benötigt. Die wiederum unterliegt einem enormen Wasserverbrauch und die Tiere selbst brauchen ebenfalls Wasser. Aus diesem Grund besitzen tierische Produkte eine eher schlechte Ökobilanz.

Doch auch der CO2-Ausstoß pflanzlicher Produkte kann verheerende Dimensionen annehmen. Es gilt: Je mehr Arbeitsschritte ein Artikel benötigt, um bei uns im Supermarkt im Regal zu landen, desto schädlicher ist er für die Umwelt.

Welche wesentlichen Faktoren für die Ökobilanz von Lebensmitteln maßgebend sind, erfahren Sie im Folgenden.

Transport

Der Transport spielt eine häufig unterschätzte Rolle bei der Ökobilanz von Lebensmitteln. Die hohe Umweltverträglichkeit von Obst und Gemüse gilt nur, wenn die betreffenden Sorten Saison haben und aus der Region stammen. Beim Transport von Waren aus Übersee werden Klimagase und Schadstoffe wie Feinstaub freigesetzt.

Anbau

Werden Obst und Gemüse auf fruchtbarem Boden zur Hauptsaison angebaut oder über Winter im beheizten Gewächshaus und unter Verwendung chemischer Düngemittel?

Auch woher die Lebensmittel kommen, spielt beim Anbau eine essentielle Rolle. Oft wird in ohnehin ariden Gebieten, d.h. Regionen mit Wasserknappheit, intensive Landwirtschaft betrieben, wodurch das Ökosystem vor Ort ins Wanken gerät. Kakao aus Nigeria, Avocados aus Mexiko, Orangen aus Spanien – Beispiele für eine zu stark leistungsorientierte Agrarpolitik gibt es viele.

Kühlung und Lagerung

Die Zeiten, in denen man kiloweise Äpfel in feuchten, dunklen Kellerräumen hortete, sind vorbei – so scheint es. Dafür verbringen Produkte aus der Region oft Tage und Wochen in energieintensiven Kühlhäusern, bevor sie den Weg in die Regale der örtlichen Supermärkte finden, damit wir auch im Winter noch „frische“ Äpfel aus der Region kaufen können.

Hier sollte schnellstens ein Umdenken bei den Verbrauchern stattfinden: Haben bestimmte Lebensmittel bei uns gerade keine Saison, dafür aber in Chile, Südtirol oder anderswo, kann sich die Einfuhr durchaus lohnen.

Pestizide

Auch der Einsatz von Pestiziden wirkt sich negativ auf die Umwelt aus, da sie nicht bloß einen Einfluss auf das Produkt, sondern auch auf dessen unmittelbare Umgebung haben. In der Regel schneiden Bio-Produkte hier besser ab als konventionell hergestellte, was ein Grund für die hohe Nachfrage nach Lebensmitteln aus biologischem Anbau ist.

Lebensmittel mit schlechter Ökobilanz

Dem bisherigen Textverlauf lässt sich entnehmen, dass umweltbewusste Verbraucher ihre Ernährung verstärkt auf pflanzliche statt auf tierische Produkte ausrichten sollten. Doch es gibt auch unter den Lebensmitteln auf pflanzlicher Basis einige Vertreter, die sich bei näherer Betrachtung als echte Ökosünden entpuppen. Wir zeigen Ihnen deshalb einige Beispiele, die Sie für eine umweltschonende Ernährung reduzieren sollten.

Wurst

Ökobilanz von Wurst

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Schinken wurde an anderer Stelle bereits erwähnt, doch auch die Wurst gesellt sich in Sachen Ökobilanz von Lebensmitteln eher zu den mittelgroßen Umweltsünden. Um ein Kilo Wurst herzustellen, wird fast die vierfache Menge an CO2 freigesetzt, genauer gesagt 3.950g/kg.

Kaffee

Ökobilanz von Kaffee

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Eine schlechte Nachricht für viele von uns, wenn auch keine wirklich überraschende. Das Lieblingsgetränk der Deutschen, Kaffee, ist keinesfalls umweltfreundlich. 5.450g Kohlendioxid werden für ein Kilogramm Kaffee freigesetzt.

Das ist wenig verwunderlich. Kaffee wird zu großen Teilen in Äthiopien und Südamerika angebaut. Die Pflanzen wachsen nur entlang des sog. „Kaffeegürtels“ um den Äquator, zwischen dem 23. und 25. Breitengrad und benötigen ein subtropisches Klima.

Aus diesem Grund ist ein aufwendiger Transport der Kaffeebohnen notwendig.

Käse

Ökobilanz von Kaffee

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Vor allem im Süden Deutschlands wird reichlich Milch produziert, die dann zu großen Teilen zu Käse weiterverarbeitet wird. Käse ist somit ein gutes Beispiel für ein regionales Produkt, das trotzdem noch lange nicht umweltfreundlich ist. 8.490g CO2 werden für ein Kilogramm Käse fällig.

Oft sind Futtermittel für Kühe mit Sojaschrot versetzt, das in den Herkunftsländern – vorwiegend Brasilien, Argentinien, Paraguay und den USA – genetisch verändert wurde. Die Tiere selbst erzeugen einen hohen Ausstoß an Kohlendioxid und Methan.

Herstellung und Reifung von Käse schlagen in seiner Ökobilanz zusätzlich zu Buche.

Butter

Ökobilanz von Butter

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Keine Frage, mit 23.800g CO2/kg „verdient“ die Butter einen Ehrenplatz in unserer Liste der klimaschädlichsten Lebensmittel.
Für sie gelten im Grunde dieselben Kriterien wie für Käse, doch ihre Verarbeitung erfordert zusätzliche Schritte. Für jeden Teilprozess ist wiederum Energie nötig.

Ein Paket Butter (250g) zu konsumieren ist in etwa so schädlich wie 40 Kilometer mit dem Auto zu fahren.

Lebensmittel mit guter Ökobilanz

Kommen wir nun zu den Lebensmitteln, die sich als besonders umweltverträglich herausgestellt haben. Das Gute: Viele von ihnen sind auch noch sehr gesund!

Eier

Ökobilanz von Eiern

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Im Laufe der Jahre mussten sich Eier so einiges gefallen lassen: Sie seien Kalorienbomben, enthielten zu viel Cholesterin und wären mit Salmonellen verseucht, hieß es.

Was die Ökobilanz von Lebensmitteln angeht, schneiden Eier dagegen gar nicht so schlecht ab. 1.920g CO2 kommen auf ein Kilogramm Eier. Im Vergleich mit anderen tierischen Lebensmitteln ist dies ein verträglicher Wert.

Brot und Brötchen

Ökobilanz von Brot

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Brot besteht vorwiegend aus Mehl und Wasser. Das Gleiche gilt für Brötchen. Da diese Zutaten mit vergleichsweise geringem Aufwand gewonnen werden können, besitzt das Endprodukt eine durchaus positive Ökobilanz.

Für ein Kilo Brot fallen lediglich 650g CO2 an.

Fruchtgemüse

Ökobilanz von Gemüse

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Gewinner unserer Hitliste der Ökobilanz von Lebensmitteln sind die Fruchtgemüse-Sorten. Dazu zählen beispielsweise Gurken, Tomaten und Zucchini. Stammt das Gemüse aus der Region und hat Saison, fallen gut verträgliche 500g CO2/kg an. Idealerweise kommt die Gurke oder Tomate natürlich aus dem eigenen Garten und wird erntefrisch verarbeitet.

Ökobilanz von Lebensmitteln – Tipps für eine umweltfreundliche Ernährung

Zwar lässt sich die tatsächliche Ökobilanz von Lebensmitteln nur schwer bestimmen, ein paar einfache Grundregeln für eine möglichst umweltschonende Ernährung existieren aber doch. Hier die nützlichsten Tipps im Überblick

Vermeiden Sie Flugware

Sollen die Produkte möglichst schnell von A nach B gelangen, dann werden sie nicht verschifft. Stattdessen kommen Transportflugzeuge zum Einsatz, deren Emissionswerte oft um ein Vielfaches höher sind als die von Schiffen.

Kaufen Sie saisonale Produkte

Von Ende Mai bis in den Juli hinein schmecken Erdbeeren am besten. Genau dann sollten sie auch gekauft werden. Saisonale Produkte aus regionalem Anbau unterliegen meistens keiner langen Zwischenlagerung und kommen direkt in den Handel.

Verwerten Sie Ihre Lebensmittel

Dass das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Lebensmitteln erreicht ist, heißt nicht automatisch, dass sie schlecht sind. Vielmehr handelt es sich dabei um Richtwerte der Hersteller. Überzeugen Sie sich deshalb selbst von der Qualität der Produkte ehe Sie etwas wegwerfen.

Dabei geht Ihre Gesundheit natürlich vor! Bestehen Zweifel über den Zustand der Lebensmittel, ist der Weg zum Mülleimer dem auf den Teller selbstverständlich vorzuziehen.

Tipp: Damit Ihre Lebensmittel länger haltbar bleiben, ist die entsprechende Lagerung wichtig. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserem Beitrag zur richtigen Vorratshaltung von Lebensmitteln.

Versuchen Sie, weniger Müll zu erzeugen

Auch Müll belastet die Umwelt. Wollen Sie wirklich nachhaltig konsumieren, dann sollten Sie auch Ihr Abfallaufkommen im Blick haben. Äpfel sollten nicht in Pappschachteln verpackt und mit Klarsichtfolie überzogen sein. Es gibt sie auch lose – die natürliche Schale ist selbstverständlich die beste!

Ökobilanz Müll

©RitaE/pixabay.com

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Vielen Dank für das Titelbild an ©ejaugsburg/pixabay.com!

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