So gehen Supermärkte mit Lebensmittelresten um

Schätzungen zufolge landen alljährlich etwa 20 Millionen Tonnen an Lebensmittelresten im Abfallcontainer. Fakt ist aber, dass viele Lebensmittel trotz abgelaufener Haltbarkeitsdaten noch essbar wären. Leicht verderbliche Gemüse- und Obstsorten, Milchprodukte sowie Brot und Aufschnitte mit abgelaufenem MHD landen bei vielen Supermärkten im Müllcontainer.

Dies geschieht, sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, das Gemüse welk wirkt oder das Obst Risse und Schimmelstellen aufweist. Ähnliches gilt für Kohlrabi, Bundmöhren oder Blumenkohl, deren Blätter welk wirken. Bei nicht zeitig genug verkauften Fleisch und Wurstwaren aus der Frischetheke hingegen wird oft die Möglichkeit genutzt, sie zu Wurstsalat, Frikadellen oder Eintöpfen weiterzuverarbeiten.

Was passiert mit den Lebensmittelresten?

Üblicherweise werden Waren mit abgelaufenen Verfallsdaten – je nach Zugehörigkeit zu einer bestimmten Warengruppe – zunächst preisreduziert angeboten. In der Käsetheke erkennt man einen abgelaufenen Rohmilchkäse an einem roten Preisschild mit reduziertem Preis. Überschüsse an Fleisch sind im Sonderangebot. Abgelaufene Molkereiprodukte und abgepackte Aufschnitte finden sich oft in einer Kiste auf der Kühlung. Der schlaff gewordene Salatkopf und die eingerissene Tomate, Birnen mit braunen Flecken und Bananen, die bereits auf einer Seite schwarz werden, finden sich jedoch nach Ladenschluss im Abfallcontainer wieder. Dort landen auch die Packungen Toast, bei denen ein Schimmelbefall sichtbar wird oder nicht abverkaufte Brötchen, die in der Filiale aus Rohlingen ausgebacken wurden. Dazu addiert sich die abgepackte Wurst, die trotz einer Preisreduzierung bis zum Abend nicht aufgekauft wurde.

Kaum ein Supermarkt veröffentlicht akkurate Zahlen über den Anfall an Lebensmitteln, die im Container landen. Welchen Anteil die Supermärkte an den geschätzten 30 Millionen Tonnen weggeworfener Waren haben, wird daher nicht ersichtlich. Einen Teil des Lebensmittel-Müllbergs erzeugen die Privathaushalte. Laut dem „Bundesverband des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels“ sind etwa zwei Prozent aller angelieferten Supermarkt-Waren am Ende als Verluste abzuschreiben. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine geschätzte Durchschnittsmenge. Auf Warengruppen präzisiert, besagt diese Zahl, dass in Supermärkten schätzungsweise etwa 12 Prozent aller Brot- und Backwaren weggeworfen werden. Außerdem etwa drei bis fünf Prozent dessen, was in der Obst- und Gemüseabteilung im Regal liegt. Noch verzehrbare Lebensmittel werden also in rauen Mengen weggeworfen. Sie erzeugen so messbare Finanzverluste für den Filialisten. Daher sollte es auch in seinem Interesse liegen, diese Verluste durch verschiedene Maßnahmen zu minimieren. Ersichtlich ist aber, dass die Bemühungen darum bisher deutlich unter dem liegen, was machbar wäre.

Welche Maßnahmen nutzen die Supermärkte, um den Ausfall zu minimieren?

In Frankreich dürfen Lebensmittel laut Gesetz nicht mehr einfach weggeworfen werden. Die Hersteller und die Supermärkte ab 400 Quadratmeter Größe wurden verpflichtet, abgelaufene oder leicht verderbliche Waren zügig weiterzuverarbeiten, zu kompostieren oder zu spenden. Alternativ könnte man vieles davon zu Tierfutter verarbeiten. Von gesetzlichen Beschlüssen wie diesen sind wir noch etwas entfernt. Viele Supermärkte und Biomärkte versuchen, den Abverkauf abgelaufener Waren zu forcieren. Sie nehmen Waren bereits vor Ablauf des Verfallsdatums aus dem Regal und bieten sie deutlich billiger an. So werden die Verluste wenigstens teilweise minimiert. Kunden greifen gerne zu Sonderangeboten, vor allem im hochpreisigen oder Biobereich. Aldi-Nord, Rewe oder Netto bedienen sich gerne dieser Abverkaufs-Strategie.

In vielen (Bio-)Supermärkten bemüht man sich, den Einkauf durch Warenwirtschaftssysteme so zu optimieren, dass möglichst wenige Waren entsorgt werden müssen. Doch das klappt leider nicht immer. Manche Supermarktketten spenden bereits einen Teil der abgelaufenen Waren an die Tafeln. Dort muss man sie nicht einmal anliefern. Aussortierte Lebensmittel werden nach einem Anruf oder an einem vorher verabredeten Tag der Woche abgeholt. Manchen Leitern von Supermarktfilialen scheint es weniger mühsam, die abgelaufenen oder verderblichen Waren einfach zu entsorgen. Fakt ist, dass manche Waren schon lange vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums aus den Regalen entfernt werden, wie am Beispiel Schokolade ersichtlich wird. Diese wird oft schon Monate vor dem Ablauf des MHD-Datums aus dem Regal genommen, obwohl sie nicht leicht verdirbt.

Kölner Studenten haben 2014 eine „Food-Loop“-App entwickelt. Kunden von Supermärkten sollten dadurch zu preisreduzierten Angeboten geleitet werden. Das unterstützte zugleich den Handel. Dieser sieht das Abfall-Problem allerdings bei den Kunden und bewertet diese Initiative kritisch. Erstens kaufen die Kunden aus Sicht der Supermarktketten falsch ein. Sie erzeugen so privat hohe Lebensmittel-Abfallmengen. Zweitens sorgen Käufer bei empfindlichen Früchten wie Pfirsichen, Erdbeeren oder Avocados durch Drücken der Frucht für hohe Abfallmengen im Frischebereich. Und drittens kaufen sie nicht immer die Mengen auf, die man eingekauft hat. So entstehen Ungleichgewichte im Warensortiment. Diese können wetterbedingt sein oder aus anderen Gründen entstehen. Den Bedarf für eine Steuerung der Käufe durch eine „Food-Loop“-App sieht man derzeit nicht. Man möchte sich anscheinend nicht in seine Verkaufsstrategien hineinreden lassen. Wo käme man denn hin, wenn Kunden gezielt nur Preisreduziertes kaufen und alles andere liegen lassen?

Private Initiativen gegen den Wegwerfwahn

Weil zu viele Lebensmittel im Müll landen, versuchen immer mehr Menschen es mit dem „Containern“. Damit ist gemeint, dass „Mülltaucher“ oder „Dumpster“ nach Geschäftsschluss die Mülltonnen von Supermarktfilialen oder Lebensmittelherstellern nach Brauchbarem durchforsten. Essen, das noch genießbar erscheint, wird von den gut organisierten „Food-Savern“ an Bedürftige in der Nachbarschaft, an Freunde und Verwandte verschenkt. Früher war das Durchwühlen der Mülltonnen den Obdachlosen vorbehalten. Heute wird es unter Aktivisten zum Volkssport. Das „Containern“ verhindern allerdings viele Supermärkte mit Verweis auf mögliche Unfälle oder Sachbeschädigungen. Sie stellen Ihre Müllcontainer in abgeschlossene Stahlgitterboxen und sichern die Tonnen mit Schlössern. Es stellt einen versuchten Hausfriedensbruch oder den Straftatbestand des Diebstahls dar, den Zaun zu überklettern und einen nicht abgeschlossenen Container zu durchwühlen. Mehr als einen Platzverweis wird man aber meist nicht kassieren. Die Rechtslage ist unsicher. Bisher sind keine Urteile gegen Food-Saver ergangen.

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Bildquelle: Vielen Dank an boo_ist_online für das Bild (© boo_ist_online / pixabay.com).

Redakteur: Stephan Gert

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