Überwachung im Spuermarkt

Überwachung im Supermarkt – Wo Kameras hinschauen dürfen

Es ist ein schmaler Grat. Die Anwesenheit von Überwachungskameras hilft Kriminalität zu bekämpfen. Überwachung im Supermarkt kann Diebstähle und Vandalismus vermeiden und ist die wohl größte Hilfe bei der Überführung mutmaßlicher Täter. Doch die überwältigende Mehrheit von uns erschaudert bei der Vorstellung von Gesichtserkennung und der detaillierten Video-Analyse unseres Kaufverhaltens. Es stellt sich die Frage: Was darf eine Videokamera eigentlich genau von unserem Einkauf filmen und was passiert mit den Aufnahmen?

Sie gehören mittlerweile zur Grundausstattung von Supermärkten. Für uns sind sie bereits so sehr zur Normalität geworden, dass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen. Aber sie nehmen uns wahr – und lernen im Zeitalter von Web 4.0 und Big Data immer mehr dazu. Die Rede ist von Überwachungskameras. Inwieweit dürfen Discounter und Supermarktketten ihre Kunden beim Einkauf filmen?

Rechtliche Grundlagen für Überwachung im Supermarkt

Die Überwachung im Supermarkt ist durch das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) geregelt. Laut §6b des BSDG ist Betreibern von Einkaufszentren und Supermärkten die Videoüberwachung gestattet, sofern sie der Erhaltung von Leben, Freiheit und Gesundheit der dort ansässigen Personen dient. Bei der Gesetzesgrundlage steht also der Sicherheitsaspekt im Vordergrund.

Allerdings ist Überwachung im Supermarkt von Gesetzes wegen nur dann erlaubt, wenn „schutzwürdige Interessen“ der Betroffenen nicht überwiegen. Jetzt stellt sich die Frage, was diese schutzwürdigen Interessen im Detail bedeuten. Ein durchaus schutzwürdiges Gut könnte ja beispielsweise die Privatsphäre einer Person sein, oder nicht? Könnte. Leider handelt es sich beim schutzwürdigen Interesse um einen der vielen unbestimmten Rechtsbegriffe innerhalb der Gesetzgebung, sodass die Definition dieses richtungsweisenden Terminus letztlich Auslegungssache ist.

Wirklich aussagekräftige Rechtsprechung existiert zu diesem Thema kaum. Ab welchem Punkt die Überwachung im Supermarkt über die Wahrung der Sicherheit hinausgeht, ist somit zumindest bisher nicht geklärt.

Muss Überwachung im Supermarkt kenntlich gemacht werden?

Überwachung im Supermarkt Hinweisschild

© cdz/pixabay.com


Ja! Videoüberwachung im Supermarkt berührt das Recht jedes Menschen auf informationelle Selbstbestimmung. Soll heißen: Jede Person muss selbst entscheiden können, was sie der Öffentlichkeit von sich preisgibt. Aus diesem Grund muss jeder potenzielle Kunde am Eingang des Supermarktes durch ein klar erkennbares Schild auf die Anwesenheit von Kameras hingewiesen werden, selbst wenn es sich dabei um Attrappen oder nicht eingeschaltete Geräte handelt. Betritt er das Geschäft dennoch, gibt er durch sein bloßes Handeln automatisch das Einverständnis zur Überwachung. Eine mündliche oder gar schriftliche Erlaubnis ist deshalb für die Betreiber nicht von Nöten. Man nennt diese Form der Einwilligung auch konkludentes Handeln.

Wie lange werden meine Daten gespeichert?

Laut BDSG sind personenbezogene Daten, unter diese Kategorie fallen auch Videoaufnahmen, unverzüglich zu löschen, sobald ihr Zweck erfüllt wurde. In Supermärkten betragen die Aufbewahrungsfristen maximal 48 Stunden. Nur wenn die Aufnahmen der Beweisführung dienen, dürfen sie länger gespeichert werden.

Überwachung im Supermarkt zur Kunden-Analyse

Vor nicht allzu langer Zeit wunderte man sich, wenn beim Surfen im Internet auf völlig themenfremden Webseiten auf einmal Werbung für Artikel erschien, die man sich(oder oben im Satz auch „Wir“) zuletzt in irgendeinem Online-Shop angesehen hat. Inzwischen nimmt die überwältigende Mehrheit von uns das Auslesen von Cookies, den nichts anderes steckt dahinter, billigend in Kauf. Zumindest unternimmt nur ein kleiner Teil der User etwas und installiert Ad-Blocker oder entsprechende Add-Ons für den Browser.

Wird Überwachung im Supermarkt genutzt, um unserer Kaufverhalten auf vergleichbare Weise zu studieren, sieht die Meinung der Verbraucher anders aus. Die Mehrheit fühlt sich von diesem Vorgehen in der Privatsphäre gestört.

Onlinehandel beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Bücher, Spielzeug oder Kleidung. Inzwischen Kaufen immer mehr Menschen die Dinge für ihren alltäglichen Lebensbedarf im Internet. Darunter finden sich zunehmend Lebensmittel, Getränke oder Tierbedarf. Um dem immer stärker werdenden Druck entgegenzuwirken, setzt auch der stationäre Handel mehr und mehr auf personifizierte Werbemaßnahmen und Angebote.

Vorrausetzung dafür ist aber eine vorangehende Analyse, die mittels Videoüberwachung erfolgt. Kameras sind inzwischen in der Lage über Gesichtserkennung Nuancen in der emotionalen Wahrnehmung der Kunden zu erkennen. Wird der Konsument beispielsweise von einem bestimmten Werbebanner besonders angesprochen, registriert das Gerät Veränderungen in den Gesichtszügen der Person und wertet diese über eine Software aus. Aus den gesammelten Daten lassen sich die Präferenzen der Kunden ablesen. So können Supermarktketten ganz gezielt Rabattaktionen starten und Produkte ins Sortiment aufnehmen, die die jeweilige Zielgruppe garantiert ansprechen.

Angst vor Überwachung im Supermarkt

Der Gebrauch von Kameras zu Marktforschungs- statt zu Sicherheitszwecken jagt vielen Verbrauchern Angst ein. Vor allem die Möglichkeit, unbewusst überwacht zu werden und die mangelnde Kontrolle darüber, was mit den gesammelten Daten passiert, bereitet Käufern Sorge. Dass sich aus der Nutzung der Daten auch Vorteile ergeben, eben ganz gezielte Rabatte und spezielle Lebensmittel im Sortiment, spielt für den Großteil der Kunden laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen keine Rolle. Fast zwei Drittel der Befragten gaben zudem an, Supermärkte, die Gesichtserkennung betreiben, bewusst meiden zu wollen. Alternativen wären dann beispielsweise Online-Supermärkte, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Die Haltung zur Cookie-Auswertung, die im Internet stattfindet (sonst zweimal geschieht, weil es im nächsten satz auch verwendet wird), dürfte psychologisch bedingt sein. Die Analyse im Browser geschieht im Hintergrund und von uns unbemerkt. Videokameras im Supermarkt hingegen sind physisch präsent. Wir sehen sie und wissen, dass wir von ihnen beobachtet werden. Diese Gewissheit lässt ist nur sehr schwer auszublenden und lässt Überwachung im Supermarkt sehr viel beklemmender erscheinen als Überwachung im Internet.

Überwachung im Supermarkt Videokamera

© MichaelGaida/pixabay.com

Der Fall Lidl

Dass Überwachung im Supermarkt schnell zu schwerwiegendem Missbrauch führen kann, zeigt ein Skandal aus der Vergangenheit – allerdings nicht auf Seiten der Kunden, sondern der eigenen Angestellten. Sicherlich lang her, aber keineswegs vergessen: Die Supermarktkette Lidl überwachte im Jahr 2007 systematisch ihre Mitarbeiter. Auch dabei kam ein weitreichendes Netz von Videokameras zum Einsatz.

Dokumentiert wurde unter anderem, welche Mitarbeiter untereinander ein Verhältnis hatten, wer wann und wie oft zur Toilette ging oder welche der Beschäftigten besonders häufig durch mangelnde Kompetenz oder Naivität auffielen. Ein Jahr später flog der Skandal auf. Kameras waren im Sicherheitssystem des Discounters für gut ein Jahrzehnt vergessen. Inzwischen sind sie wieder in nahezu allen Lidl-Filialen installiert, denn ihr Nutzen zu Sicherheitszwecken ist unstrittig und wird auch von den Kunden toleriert.

Ein Blick in die Zukunft

Die Überwachung im Supermarkt steckt noch in den Kinderschuhen. Aber es lässt sich schon jetzt ein Blick auf das vorauswerfen, was Dank Big Data technisch bald möglich sein könnte. Dabei ist Vernetzung das Stichwort.

Man stelle sich den Gang in den Supermarkt vor: Der eigene Einkauf wird von der High-Tech Kamera erfasst, die wiederum über das drahtlose Netzwerk mit dem eigenen Smartphone verbunden ist. Wie so oft fehlen im Einkaufswagen bedauerlicherweise Obst und Gemüse. Stattdessen finden Zigaretten, Schokolade, Alkohol und Fleisch in allen Variationen ihren Weg auf den Einkaufszettel. Unser Einkauf wird vom System ausgewertet und wir erhalten auf dem Handy einen dezenten Warnhinweis über unsere ungesunden Ernährungsgewohnheiten. Doch damit nicht genug: Irgendwann wird aus dem Hinweis ein Vorschlag zur Suchtprävention, gleich mit geeigneten Adressen, an die wir uns wenden können. Unser Hausarzt wird auch direkt informiert, immerhin ist er ja auch auf unsere Gesundheit bedacht.

Wird so ein Szenario noch von Selbstbestimmung beherrscht? Es bestehen wohl berechtigte Zweifel.

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Vielen Dank für die Bilder!

Titelbild: © PagDev/pixabay.com

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