Milchproduktion

Der Weg der Milch – so funktioniert die Milchproduktion

Von der Milchproduktion über die Molkerei bis hin zum Verkauf. Der Weg der Milch ist lang.

Jeder Deutsche trinkt im Schnitt circa 80 Liter Milch im Jahr. Hinzu kommen unzählige Milchprodukte wie Butter, Käse und Joghurt. Doch wie so oft bei Lebensmitteln, fragen sich die Verbraucher nicht, wie die Milch eigentlich ins Supermarktregal kommt und welcher Weg hinter ihr liegt. Der folgende Artikel beschäftigt sich mit dem Thema Milch von der Herstellung, über die Verarbeitung bis hin zum Konsum und fasst alle wichtigen Informationen zusammen, die man über Milch wissen sollte.

Die Milchproduktion

Deutschland ist der größte Milchproduzent Europas. Rund 4,3 Millionen Milchkühe leben hier auf 77.000 Betrieben.

Die Kuh

Bei der Kuh handelt es sich um einen Wiederkäuer mit einer natürlichen Lebenserwartung von 18-25 Jahren. Normalerweise geben sie Milch, nachdem sie ein Kälbchen geboren haben, ganz genauso wie es bei anderen Säugetieren der Fall ist. Um das Kälbchen zu ernähren, liegt der durchschnittliche Litergehalt am Tag bei acht Litern.

Die häufig verwendetet Floskeln „Dumme Kuh“ trifft übrigens ganz und gar nicht zu. Kühe sind intelligente Tiere, die über ein Langzeitgedächtnis verfügen und miteinander kommunizieren können. Sie schließen Freundschaften und haben innerhalb der Gruppe eine Rangordnung. Allerdings verfügen sie über keine ausgeprägte Gesichtsmuskulatur so wie der Hund oder das Pferd, was dazu führt, dass Menschen mit ihnen nicht so gut kommunizieren können wie mit anderen Tieren. Aus diesem Grund wurden Kühe früher für dumm gehalten.

Die Kuhzucht und Haltung

Acht Liter am Tag ist für eine Kuh auf einem Milchzuchtbetrieb heutzutage bei Weitem nicht genug. Die Kühe werden zu Hochleistungstieren gezüchtet, was die Milch- und Fleischgewinnung angeht. Eine durchschnittliche Kuh gibt am Tag bis zu 50 Liter. Diese Massen sind nicht im Entferntesten normal für ein solches Tier. Um einen Liter Milch im Euter zu produzieren, werden 500 Liter Blut durch das Euter gepumpt. Deswegen haben rund ein Drittel der Tiere auf jedem Betrieb regelmäßig Euterentzündungen.

Des Weiteren geben Kühe nur regelmäßig Milch, wenn sie auch regelmäßig ein Kälbchen gebären. Darum werden sie einmal im Jahr künstlich besamt. Eine Schwangerschaft dauert wie beim Menschen neun Monate. Bis zum siebten Monat werden die Kühe allerdings weiter gemolken und daraufhin für zwei Monate trocken gestellt. Nachdem sie das Kälbchen zur Welt gebracht haben, werden sie von ihm getrennt, um wieder als normale Milchkuh und nicht als frisch gebackene Mutter behandelt werden zu können.

Die Kälbchen werden die ersten Wochen in sogenannten Iglus gehalten und mit aufgelöstem Milchpulver ernährt. Je nachdem ob es sich um eine Kuh oder einen Bullen handelt, erwartet es ebenfalls eine Zukunft als Milchkuh oder ein einjähriges Leben auf einem Mastbetrieb. Die Bauern verdienen an männlichen Kälbchen zu gut wie gar nichts, da die Mastviehbetriebe für Milchkuharten extrem wenig bezahlen. Das liegt daran, dass sie nicht so schnell Fleisch ansetzen wie Arten, die extra für die Mast gezüchtet wurden.

Die weiblichen Kälbchen werden innerhalb der ersten acht Wochen enthornt, was generell vom Tierschutz als Amputation gilt und verboten ist. Durch Sondergenehmigungen vom Tierarzt ist es trotzdem legal die Enthornung durchzuführen, aus dem Grund, dass das Behalten der Hörner dem Schutz des Tieres oder anderen Tieren gilt. Der Vorgang ist für Kälbchen trotz Betäubung sehr schmerzhaft, da die Hörner einen starken Blutdurchfluss haben.

Als ausgewachsene Rinder beziehungsweise Kühe, erwartet die Tiere eine der folgenden drei Haltungsformen:

Anbindehaltung

Die Anbindehaltung ist veraltet, da bereits vor Jahren festgestellt wurde, wie schädlich sie für die Tiere ist. Daher ist sie heutzutage untersagt.

Durch mehrere Ausnahmegenehmigungen, die lediglich besagen, dass die Kühe 90 Tage im Jahr Freilauf haben müssen, ist die Anbindehaltung immer noch möglich.

Rund 27% der gehaltenen Milchkühe sind somit komplett eingeschränkt. Vom Liegen ins Stehen zu wechseln ist die einzige Bewegung, die ihnen möglich ist. Sie starren ununterbrochen in dieselbe Richtung, können sich weder umdrehen noch Fellpflege betreiben. Von den sozialen Kontakten zu anderen Artgenossen ganz zu schweigen. Der Großteil der Betriebe, die diese Haltung praktizieren, liegt in Bayern.

Laufstallhaltung

Die Laufstallhaltung ist hingegen schon etwas artgerechter. Die Kühe haben hier unterschiedliche Bereiche, in denen sie liegen, laufen oder fressen können. Der Boden der Lauffläche besteht meist aus Beton, was eine hohe Rutschgefahr darstellt. Die Liegeflächen sind bei einigen Höfen mit Sägespänen, Stroh oder Gummimatten ausgelegt. In anderen Fällen liegen die Kühe ebenfalls auf Beton, sodass sich oftmals Druckstellen und Eiterbeulen bilden. Circa 70% der Milchkühe in Deutschland werden so gehalten.

Laufstallhaltung

Bildquelle: Vielen Dank an afnewsagency für das Bild (© afnewsagency / pixabay.com).

Weidehaltung

Ein kleiner Teil von Milchviehbetrieben bietet den Tieren, neben der Laufstallhaltung, circa fünf Monate im Jahr die Möglichkeit auf die Weide zu gehen.
Die Haltung hat übrigens keinen Einfluss auf Bioqualität. Sogar auf Biohöfen kommt es vor, dass Kühe den Großteil ihres Lebens angebunden sind.

Weidehaltung

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Nachdem Milchkühe mehrere Kälbchen zur Welt gebracht haben und über Jahre hinweg gemolken wurden, lässt die Milchleistung häufig nach, deshalb werden sie im Normalfall nach fünf Jahren zum Schlachter gebracht.

Mit einem Bolzenschuss werden sie dort betäubt, damit man sie zum Ausbluten ohne Schwierigkeiten an den Hinterbeinen aufgehängt werden können. Nicht selten ist es auch der Fall, dass schwangere Kühe geschlachtet werden. Das Kälbchen erstickt so bei vollem Bewusstsein im Mutterleib, da der Bolzenschuss lediglich die Mutter betäubt. Es kann sogar vorkommen, dass das Kälbchen beim Ausbluten der Mutter noch lebendig ist. Es muss dann von Mitarbeitern getötet werden, da aus hygienischen Gründen kein Tier einen Schlachthof lebendig verlassen darf.

Rinder Schlachtung

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Der Melkvorgang

Was das Melken angeht, nimmt die Technik den Bauern heutzutage eine enorme Last ab. Das Melken ohne Melkmaschine wäre bei den Mengen, die Landwirte produzieren müssen, heute auch undenkbar. Trotzdem beansprucht das Melken viel Zeit des Bauern. Normalerweise wird noch per Hand angemolken. Das bedeutet, dass jede Zitze des Euters einige Male gemolken werden muss.

Das regt den Milchfluss an und beseitigt eventuelle Milchflocken. Nach der Entfernung von Dreck durch ein feuchtes Tuch wird dann die Melkmaschine angesetzt. Je nach Menge braucht diese fünf bis zehn Minuten bis die Kuh ausgemolken ist.

Danach werden die Zitzen desinfiziert. Diesen routinemäßigen Vorgang vollziehen die meisten Bauern. Trotzdem unterscheiden sich auf fast jedem Hof die Melkprozesse, da diese abhängig von der Art des Melkstands sind.

Fischgrätenmelkstand

Dieser Melkstand kommt am häufigsten vor. Die Kühe werden per Hand in den Melkstand getrieben, indem sie hintereinander stehen. Die Melker stehen an der Seite und treiben die Kühe anschließend wieder in den Stall.

Melkkarussel

Diese Art von Melkstand kommt besonders bei Betrieben vor, die über 500 Kühe auf einmal melken müssen. Die Kühe müssen auf eine sich drehende Plattform in eine Box treten. Die Melker stehen hinter den Kühen in der tiefer liegenden Mitte der Plattform. Durch das Drehen der Plattform ist der Melkprozess sehr stressig für die Kühe und die Rutschgefahr beim Betreten und Verlassen der Plattform extrem hoch.

Automatisches Melken

In hochmodernen Betrieben, muss der Landwirt das Euter seiner Kühe nicht einmal mehr berühren, um an die Milch zu gelangen. Ein vollautomatisierter Roboter setzt die Maschine an.

In der Molkerei

Durch kühlende Milchwagen wird die Milch von den Höfen abgeholt und in eine der 148 Großmolkereien in Deutschland transportiert. Dort wird die Milch dann zu Käse, Butter und Joghurt verarbeitet.

Was viele nicht wissen: Nur jeder sechste Liter Rohmilch wird auch als Trinkmilch weiter verkauft. Das meiste wird weiter verarbeitet. Für einen Liter Butter werden dabei beispielsweise 22 Liter Milch verbraucht. Und auch die Milch, die wir im Supermarkt kaufen können, befindet sich nicht mehr im Originalzustand.

Der Prozess der Bearbeitung besteht aus folgenden Schritten:

1) Zuerst wird die Milch untersucht. Der Wasser- und Fettanteil wird festgestellt, sowie die Reinheit, Frische und die bakteriologische Beschaffenheit.

2) Dann wird die Milch durch Filter und Separatoren gereinigt, sodass grobe Verunreinigungen entfernt werden.

3) Durch das Zentrifugieren bei 40 Grad Celsius und 6000 bar, wird das Fett und bestimme Proteine vom Rest der Milch getrennt. Diesen Vorgang nennt man
Entrahmung.

4) Danach folgt die Einstellung des Fettgehalts. Ein bestimmter Teil des natürlichen Fettes wird wieder hinzugefügt. Durch diesen Prozess hat
man im Supermarkt die Wahl zwischen Milchsorten mit 1,5 oder 3 prozentigen Fettanteil.

5) Bei der Homogenisierung wird die Milch mit einem Druck von 200 bar durch sehr kleine Drüsen gepresst. Dadurch teilen sich die Fetttröpfchen
und die Eiweiße liegen in einer feineren Form vor.

6) Die Wärmebehandlung tötet nicht nur Mikroorganismen ab. Es werden außerdem Enzyme inaktiviert, wodurch die Milch länger haltbar bleibt und Milchproteine
denatuiert, was eine bessere Verdaulichkeit bei dem Menschen bewirkt. Je nach Verfahren (Pasteurisation, Ultrahocherhitzung, Sterilisierung) wird das Mindesthaltbarkeitsdatum
festgelegt und die Milch bleibt zwischen vier Tagen und einem halben Jahr in der Verpackung genießbar.

7) Nach der Wärmebehandlung wird die Milch schnell gekühlt und luftsicher verpackt und steht anschließend in den Kühlregalen der Supermärkte.

Große Konzerne wie beispielsweise Müller haben ihre eigenen Molkereien. In anderen werden oftmals Milchprodukte für verschiedene Marken hergestellt. Dieselben Produkte werden in unterschiedliche Verpackungen gefüllt. Deswegen kann es sein, dass in teuren Markenprodukten derselbe Inhalt steckt wie in No-Name-Produkten.

Milch

Bildquelle: Vielen Dank an Couleur für das Bild (© Couleur / pixabay.com).

Probleme auf dem Weg der Milch

Spätestens nach dem Lesen dieses Artikel stellt man sich die Frage: Wie kann Milch so günstig sein? Im Moment zahlt man im Durchschnitt 45 Cent pro Liter Milch im Supermarkt. Bei den Landwirten kommt bei weitem nicht so viel an.

Aktuell zahlen die Molkereien den Bauern zwischen 19-22 Cent pro Liter. Das deckt auf vielen Betrieben nicht einmal die laufenden Kosten ab. Die Folge: In den letzten Jahren mussten viele Höfe aufgegeben und die Tiere verkauft werden. Andere versuchen es mit Sparmaßnahmen, doch darunter leiden die Tiere und die Qualität der Milch.

Der Grund für die niedrigen Preise, die die Molkereien zahlen, ist der Überschuss an Milch. Dadurch, dass Deutschland jahrelang zu den weltweit größten Exportteuren gehörte und die Milchquote vor einigen Jahren abgeschafft wurde, vergrößerten viele Landwirte ihre Höfe. Mittlerweile gibt es aber Milch im Überschuss und somit bleibt den Betrieben nichts anderes übrig als die Milch für diese absurd niedrigen Preise zu verkaufen. Darunter leiden Menschen und Tiere.

Des Weiteren hinterlässt die Herstellung von Milchprodukten einen der größten ökologischen Fußabdrücke. Das liegt zum einen an der großen Verzehrmenge und zum anderen an den hohen Energiekosten, die zum Beispiel für die Herstellung eines einzigen Stücks Butter benötigt werden.

Was kann man als Verbraucher tun

Die einfachste Lösung wäre es natürlich, wenn kein Verbraucher mehr zur billigsten Milch greifen würde, denn dann würde diese aus dem Sortiment heraus genommen werden. Da diese Lösung allerdings utopisch ist, weil die Deutschen allseits als Schnäppchenjäger bekannt sind, kann man sich das aus dem Kopf schlagen.

Eine weitere Option ist es ausschließlich Biomilch zu kaufen. Das Problem dabei ist, dass der Großteil der Biomilch aus dem Ausland importiert wird. Die deutschen Landwirte haben wenig davon. Und die europäischen Richtlinien, was Bio angeht, sind nicht besonders hoch gesteckt.

Marken wie Dementer und Bioland haben strengere Vorschriften. Wie bereits angesprochen spielt die Haltung der Kühe dabei an sich keine Rolle. Die Kriterien beziehen sich eher auf die Fütterung ohne gentechnisch verändertes Futter. Man kann sich also nicht darauf verlassen, dass Kühe, die Biomilch geben, nicht in Anbindehaltung leben müssen. Gut ist es trotzdem darauf zu achten deutsche Biomilch zu kaufen mit dem Lebensmittel Siegel Naturland Fair.

Die allerbeste Möglichkeit ist die Milch direkt vom Erzeuger zu kaufen. Viele Höfe bieten Besuchern Führungen oder Besichtigungen an. So kann man sich davon überzeugen, dass es den Tieren auf dem Hof gut geht. Auch die sogenannten Milchtankstellen werden immer beliebter. Dort füllen die Landwirte jeden Tag frische Milch ein, die sich Kunden direkt abzapfen können. Für Stadtbewohner ist diese Option jedoch schwer in die Tat umzusetzen, da sich die nächstgelegenen Höfe oft einige Kilometer außerhalb der Stadt befinden.

Die letzte Alternative ist, komplett auf Milch und Milchprodukte zu verzichten und eine vegane Ernährung vorzuziehen. Somit braucht man sich keine Gedanken darüber zu machen, wie die Tiere gehalten werden und was die Verarbeitung zu Milchprodukten für die Umwelt bedeutet.

Das Bild von Milchprodukten, die gut für die Gesundheit sind, bröckelt übrigens immer mehr. Milch hat zwar einen hohen Kalziumgehalt, der Mensch kann davon allerdings nicht besonders viel davon aufnehmen. Anders ist es bei Broccoli oder Rosenkohl. Dem Gemüse kann der Körper viel mehr Kalzium entziehen.

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Bildquelle: Vielen Dank an franzl34 für das Bild (© franzl34 / pixabay.com).

Redakteur: Anna Heinze

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