Lebensmittel Siegel

Lebensmittel Siegel – Übersicht und Bedeutung

Welche Lebensmittel Siegel gibt es? Was bedeuten sie? Nach welchen Kriterien werden sie vergeben? In der folgenden Übersicht stellen wir Ihnen die bekanntesten vor.

Sie begegnen uns ständig und prangen auf so einigen Verpackungen im Supermarkt – die Lebensmittel Siegel. Konzipiert wurden sie, um dem Verbraucher auf einen Blick zu vermitteln, was hinter dem Produkt steckt und somit eine Orientierung beim alltäglichen Einkauf zu geben. Allerdings gibt es inzwischen so viele verschiedene, dass man schnell den Überblick verliert. Damit Sie sich im Siegel-Dschungel zurechtfinden, finden Sie im Folgenden die wichtigsten Informationen zu den bekanntesten Lebensmittel Siegeln.

Eu Bio Siegel

Bildquelle: Vielen Dank an die Europäische Kommission für das Bild. (©https://ec.europa.eu)

Das EU-Bio-Logo ist seit 2012 kennzeichnungspflichtig für vorverpackte Bio-Lebensmittel von Herstellern in der Europäischen Union. Diese müssen die Mindestbestimmungen nach der EU-Öko-Verordnung erfüllen. Das bedeutet sie erhalten Umwelt- und Tierschutzauflagen, die mindestens seit zwei Jahren eingehalten und jährlich überprüft werden.

Ziele des Bio-Siegels sind mehr Nachhaltigkeit, Tiere und Umwelt besser zu schützen als in konventionellen Betrieben und die biologische Vielfalt besser zu berücksichtigen.

Beispielsweise dürfen keine chemisch-synthetischen Dünger verwendet und nur eine bestimmte Höchstzahl an Nutztieren pro Hektar bewirtschafteter Fläche gehalten werden. Auch die Zusatzstoffe, die den Lebensmitteln zugeführt werden dürfen, sind auf 47 beschränkt (bei konventioneller Produktion sind über 300 Zusatzstoffe erlaubt).

Produkte, die das Logo tragen, müssen folgende Kriterien erfüllen:

• 95% der Zutaten müssen der EU-Öko-Verordnung entsprechen
• der Gehalt von genetisch veränderten Organismen darf höchstens 0,9% betragen
• die prüfende Kontrollstelle muss als Code neben dem Logo angegeben werden

VorteileKritikpunkte
• Umwelt- und Tierschutz werden besser gefördert als bei konventioneller Produktion
• keine Verwendung von Pestiziden und Kunstdüngern
• weniger Zusatzstoffe (47 statt über 300)
• Zufütterung mit genetisch verändertem Futter, Fischmehl möglich
• einige Bereiche haben keine expliziten Richtlinien
• Enthornung, Kupieren unter Schmerzmitteln möglich

Bio-Eigenmarken der Supermärkte

Auch viele Supermärkte bieten inzwischen Bio-Produkte von Eigenmarken an, jedoch können diese ihre Kriterien senken, ohne dass der Verbraucher etwas davon mitbekommt. Daher ist Vorsicht angesagt! Bei einigen dieser Bio-Lebensmittel kann man aber noch zusätzliche Siegel, wie das EU-Bio-Logo, finden. Hier können Sie sich sicher sein, dass sie ein Produkt erhalten, dass den Kriterien der EU-Öko-Verordnung entspricht.

Die Bio-Eigenmarken der Supermärkte in der Übersicht:

Lidl – Biotrend
Rewe – Rewe Bio
Kaufland – K-Bio
Real – real,- BIO
Edeka – Edeka Bio
Aldi – GutBio
Penny – B!O
Netto – BioBio

Bio Siegel

Bildquelle: Vielen Dank an die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung für das Bild. (©https://www.oekolandbau.de/bio-siegel)

Das Bio-Siegel

Das Bio-Siegel erfreut sich in Deutschland großer Bekanntheit. Das staatliche Lebensmittel Siegel gibt es seit 2001 und ist auf über 75.000 Produkten zu finden. Das Bio-Siegel wurde durch das EU-Bio-Logo abgelöst, erfüllt also die gleichen Kriterien, die in der EU-Öko-Verordnung vorgeschrieben sind. Da es aber schon einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat und somit schon für viele Verbraucher ein guter Wegweiser beim Einkauf ist, darf es freiwillig zusätzlich zum Logo in Form eines Blattes angeführt werden.

Bio Siegel Bioland

Bildquelle: Vielen Dank an Bioland e.V. für das Bild. (©http://www.bioland.de)

Bioland

Bioland ist mit mehr als 6.800 Betrieben Deutschlands bedeutendster Verband für ökologischen Landbau. Das Siegel für Bio-Lebensmittel steht für das Wirtschaften im Einklang mit der Natur und Schutz von Artenvielfalt, Umwelt und Klima. Produkte, die diese Zertifizierung tragen, müssen viel strengere Kriterien erfüllen als bei der EU-Öko-Verordnung festgelegt sind. Dabei sind die Richtlinien für viele Bereiche wie Düngung, Pflanzenschutzmittel, Haltung von Tieren, Fütterung, Zusatzstoffe und Verpackung viel präziser ausformuliert.

Der Verband leitet die Betriebe an, nach den sieben Bioland-Prinzipien zu arbeiten:

1. im Kreislauf wirtschaften
2. Bodenfruchtbarkeit fördern
3. artgerechte Haltung von Tieren
4. Erzeugung wertvoller Lebensmittel
5. biologische Vielfalt fördern
6. Bewahren natürlicher Lebensgrundlagen
7. Menschen eine lebenswerte Zukunft sichern

Diese Prinzipien sind der Leitfaden für die Kriterien, die erstellt werden, zum Beispiel:

• Tiere dürfen nur Bio-Futter bekommen, das möglichst aus Eigenerzeugung stammt.
• Der bewirtschaftete Boden muss schonend bearbeitet werden, also Zwischenfrüchte angebaut und vor Auswaschung oder Abtragung geschützt werden.
• Es dürfen nur natürliche Pflanzenschutzmittel und Dünger und dies auch nur in einem gewissen Maße verwendet werden, um Wildtiere und Grundwasser zu schützen.
• Heimische Kultursorten und Tierrassen werden bevorzugt.
• Es dürfen keine gentechnisch veränderte Organismen und keine Hormone verwendet werden.
• Ein möglichst regionaler Vertrieb erhält Arbeitsplätze in der Umgebung und senkt Transportkosten und die dadurch entstehenden Abgase.

VorteileKritikpunkt
• Umwelt- und Tierschutz sind durch strengere Auflagen geregelt
• nur Bio-Futter für die Nutztiere, im Sommer ist Grünfutter vorgeschrieben
• keine Verwendung von Pestiziden und Kunstdüngern
• weniger Zusatzstoffe (22 statt über 300)
• Förderung regionaler Arbeitsplätze
• Enthornung, Kupieren unter Schmerzmitteln möglich

In diesen Onlineshops können Sie Bio-Produkte mit dem Bioland Siegel finden:

Bringmirbio, Allyouneed fresh, Allerlei-Bio, amorebio

Bio Siegel Demeter

Bildquelle: Vielen Dank an Demeter e.V. für das Bild. (©https://www.demeter.de)

Demeter

Demeter ist der älteste Bioverband in Deutschland. 1924 wurde der Demeter e.V. basierend auf der Anthroposophie Rudolf Steiners gegründet. Rund 1.500 Landwirte arbeiten inzwischen nach dem biologisch-dynamischen Prinzip.

Die Kriterien, um dieses Bio-Siegel zu erhalten sind denen von Bioland ähnlich. In Punkto Tierschutz sind die Richtlinien allerdings noch strenger. Landwirtschaftliche Betriebe müssen horntragende Rinder halten. Das Enthornen von Rindern und die Haltung von hornlos gezüchteten Rinderarten sind verboten. Auch das Kupieren von Schnäbeln und Flügeln anderer Nutztiere ist nicht erlaubt. Der Bioverband will somit die Würde der Tiere wahren und die Artenvielfalt schützen.

Zudem setzt sich der 1997 gegründete Demeter-International e.V. für Zusammenarbeit auch außerhalb Deutschlands ein. Schon 5.000 Erzeuger in mehr als 50 Ländern sind Mitglied des Vereins. Dadurch sollen die Richtlinien für Bio-Lebensmittel auch international verbreitet und umgesetzt werden.

Vorteile
• Umwelt- und Tierschutz sind durch strengere Auflagen geregelt
• nur Bio-Futter für die Nutztiere, im Sommer ist Grünfutter vorgeschrieben
• keine Verwendung von Pestiziden und Kunstdüngern
• weniger Zusatzstoffe (13 statt über 300)
• keine Enthornung, kein Kupieren der Nutztiere

In diesen Onlineshops können Sie Bio-Produkte mit dem Lebensmittel Siegel von Demeter finden:

Allerlei-Bio, Allyouneed fresh, amorebio, Bringmirbio

Lebensmittel Siegel V-Label

Bildquelle: Vielen Dank an V-Label GmbH für das Bild.
(©https://www.v-label.eu/de/)

Das V-Label

Das V-Label ist eine international anerkannte Marke für die Kennzeichnung vegetarischer und veganer Lebensmittel. Sie umfasst über 10.000 Produkte in 27 Ländern. Das Lebensmittel Siegel möchte Verbrauchern eine Orientierungshilfe geben, da es keine gesetzlich geschützten Definitionen von „vegetarisch“ und „vegan“ gibt und Aufdrucke daher fehlerhaft sein können. Zudem sind manche Inhaltsstoffe oder Hilfsstoffe nicht deklarierungspflichtig und nicht auf der Zutatenliste zu finden. Auch E-Nummern sind oftmals irritierend – oder kennen Sie alle?

Die Kriterien für die Vergabe des Lebensmittelsiegels:

• keine gentechnisch veränderte Zutaten
• keine Verwendung von Eiern aus Käfighaltung, ausgestalteter Käfighaltung oder Kleingruppenhaltung
• kein Hinzufügen tierischer Bestandteile in allen Produktions- und Verarbeitungsstufen, ausgenommen tierische Erzeugnisse → für V-Label VEGETARISCH
• kein Hinzufügen tierischer Bestandteile und tierischer Produkte in allen Produktions- und Verarbeitungsstufen → für V-Label VEGAN
• unbeabsichtigte Verunreinigung durch tierische Stoffe von über 0,1% müssen nachgebessert oder gut begründet werden

VorteilKritikpunkt
• bietet Orientierungshilfe beim Kauf fleischloser Lebensmittel• Produktverpackung wird nicht geprüft

Lebensmittel mit dem V-Label können Sie in diesen Onlineshops beziehen:

boutique vegan, dm, Rewe, Lidl, Veganz

Lebensmittel Siegel Fairtrade Siegel

Das Siegel für fairen Handel.
Bildquelle: Vielen Dank an TansFair e.V. für das Bild.
(©https://www.fairtrade-deutschland.de)

Das Fair Trade Lebensmittel Siegel

Das bekannteste Siegel für fairen Handel ist das der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO). Die Dachorganisation zur Vergabe des Labels wurde 1997 gegründet. Beim Fairtrade Siegel stehen der Mensch und seine Lebensbedingungen im Vordergrund. Die Einkäufer der Waren werden verpflichtet, direkt mit dem Produzenten zu verhandeln und einen Mindestpreis zu bezahlen. Damit sollen Zwischenhändler und Ausbeutung verhindern werden.

Kriterien für die Vergabe des Lebensmittel Siegels Fairtrade:

• geregelte Arbeitsbedingungen
• faire Löhne
• keine ausbeuterische Kinderarbeit
• keine Verwendung gefährlicher Pestizide

VorteilKritikpunkt
• Unterstützung kleiner Betriebe in armen Ländern• von den hohen Preisen, die der Verbraucher zahlt, kommt zu wenig bei den Bauern an

In diesen Onlineshops erhalten Sie Fairtrade Produkte, wie zum Beispiel Fairtrade Kaffee:

Fair Einkaufen, Alnatura, Gepa, Rewe

Qualitätssiegel Lebensmittel Institut Fresenius

Bildquelle: Vielen Dank an SGS INSTITUT FRESENIUS GmbH für das Bild.
(©http://www.institut-fresenius.de/de/)

Institut Fresenius Lebensmittel Siegel

Die SGS Institut Fresenius GmbH ist ein Tochterunternehmen der 1878 gegründeten SGS SA der Schweiz. (SGS = Société Générale de Surveillance = allgemeine Gesellschaft für Überprüfung; SA = Société Anonyme = Aktiengesellschaft) Sie ist ein unabhängiger Inspektionsdienstleister, der regelmäßig sein Qualitätssiegel vergibt und überprüft.

Dabei werden Rohstoffe, Zutaten, Lieferanten, Produkt und Verpackung untersucht. Je nach Lebensmittel wird ein anderer Prüfplan erstellt, dieser ist auch online abrufbar.

Die Kriterien für das Qualitätssiegel sind ganz andere als bei den Bio-Siegeln. Getestet werden:

• Aussehen, Geruch, Konsistenz
• Geschmack
• ob die Inhaltsstoffe den gesetzlichen Vorgaben entsprechen
• ob das Lebensmittel frei von schädlichen Mikroorganismen ist
• Verpackung auf Hygiene und Unbedenklichkeit

Zudem wird das Produkt mit einem ähnlichen verglichen. Das Qualitätssiegel des Institut Fresenius ist also ein Herausstellungsmerkmal vor allem hinsichtlich der sensorischen Erfahrung.

VorteileKritikpunkte
• keine schädlichen Stoffe bezüglich Vorgaben durch Gesetz
• hygienische Produktion, Lieferung, Verpackung
• sensorische Prüfung → Produkt „schmeckt“
• trifft keine Aussage darüber, ob ein Lebensmittel „gesund“ ist
• Kriterien wie Umwelt- oder Tierschutz spielen keine Rolle

Hinweis: Auf die Details des Siegels achten! Diese geben Aufschluss darüber, was genau getestet wurde, z.B. Farbstoffe oder Geschmacksverstärker.

DLG Qualitätssiegel

Der Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft e.V. wurde bereits 1885 gegründet. Das Lebensmittel Siegel wird nach Qualitätstest in drei verschiedenen Stufen vergeben: Gold, Silber und Bronze. Der Hersteller muss bei der Anmeldung seiner Ware zum Test schriftlich bestätigen, dass diese den rechtlichen Vorgaben entspricht. Der Schwerpunkt der Kriterien für die Vergabe des Siegels liegt, ähnlich wie bei dem des Institut Fresenius, in der Sensorik. Getestet werden also vor allem:

• Aussehen
• Geruch
• Konsistenz
• Geschmack

VorteilKritikpunkt
• sensorische Prüfung → Produkt „schmeckt“• lediglich schriftliche Bestätigung des Herstellers, dass das Produkt keine bedenklichen Stoffe enthält
MSC Siegel

Bildquelle: Vielen Dank an MSC für das Bild. (©https://www.msc.org/)

MSC Siegel

Das Marine Stewardship Council (MSC) ist ein Siegel für Fischprodukte aus nachhaltiger Fischerei. Ein Produkt wird ausgezeichnet, wenn diese drei Prinzipien erfüllt sind:

1. ausreichend großer Fischbestand
2. minimale Einflüsse auf das Ökosystem
3. wirkungsvolles Fischereimanagement.

Die Kriterien für ein Produkt sind, dass es nicht aus einem überfischten Bestand kommt, das Meer als Lebensraum so wenig wie möglich beschädigt, also auch der Beifang gering gehalten wurde und dahingehend Maßnahmen ergriffen werden und auf wissenschaftliche Erkenntnisse oder Überfischung entsprechend reagiert wird.

Allerdings steht die Organisation stark in der Kritik Unternehmen, die ihren Fisch in überfischten Beständen fangen, das Siegel viel zu spät zu entziehen.

VorteileKritikpunkte
• versucht Fischreibetriebe zu nachhaltiger Fischerei zu animieren
• kleine Orientierungshilfe beim Kauf von Fisch und Meeresfrüchten aus nachhaltigem Fang
• Prüfsiegel für kleine Fischereien sehr teuer
• Grundschleppnetze nicht generell verboten
• Siegel noch auf dem Produkt, obwohl aus gefährdetem Bestand

Fisch oder Meeresfrüchte mit dem MSC Siegel sind in diesen Onlineshops verfügbar:

Allyouneed fresh, Bringmirbio, Deutsche See Fischmanufaktur, Kaufland

Die verschiedenen Lebensmittel Siegel helfen also bei der Auswahl im Supermarkt, je nachdem wonach Sie gerade suchen. Jedoch sollte man bedenken, dass Unternehmen sich für eine Prüfung durch die Zertifizierungsinstitute anmelden und bezahlen müssen. Diese Kosten können sich vor allem kleinere Unternehmen und Betriebe nicht leisten. Produkte ohne ein Lebensmittel Siegel sind also nicht automatisch schlechter.

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Redakteur: Helen Reményi

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