Hamsterkauf

Hamsterkäufe: unsolidarischer Egoismus oder kluge Vorbereitung?Neutralität mutual geprüft

Leere Regale, Angst vor Unterversorgung: Hamsterkäufe sind ein Phänomen, das im Zuge der Pandemie und auch während des Krieges gegen die Ukraine brandaktuell geworden ist. Doch was steckt eigentlich dahinter und wer profitiert wirklich von Hamsterkäufen? Wir versuchen, Klarheit zu schaffen und erklären, wie man sich als Prepper einen nachhaltigen Lebensmittelvorrat anlegen kann.

Das Wichtigste zusammengefasst:
Als Hamsterkauf bezeichnet man das übermäßige Einkaufen bestimmter Produkte, meist aus Angst vor einer Lebensmittelknappheit.

Pro: Supermärkte profitieren, Hamsterer profitieren kurzfristig
Kontra: Preise steigen, eine künstliche Knappheit entsteht, die Lieferketten werden überlastet, bedürftige Menschen können schlechter versorgt werden

Die bessere Alternative ist ein sogenannter dynamischer Lebensmittelvorrat, wie ihn das BBK empfiehlt.

Was sind Hamsterkäufe?

In Anlehnung an die Gewohnheit des Hamsters, bis zu 20g Nahrung in seinen Backen zu transportieren – ungefähr ein Zehntel seine Körpergewichts – wird der übermäßige Einkauf von Lebensmitteln und anderen alltäglichen Produkten als Hamsterkauf bezeichnet. Häufig steht er in Verbindung mit der Angst vor einer Lebensmittelknappheit oder vor Produktionsengpässen bei bestimmten Produkten.

Hamsterkäufe sind dabei keineswegs ein neuartiges Phänomen. Beispielsweise wurden nach dem Verbot des Verkaufs von Glühbirnen im Jahr 2012 diese gehamstert und während eines Ausbruchs der Vogelgrippe H5N1 2020 horteten Menschen Medikamente. Im Zuge der Corona-Pandemie kam es zu Hamsterkäufen von Produkten wie Toilettenpapier, Desinfektionsmittel, Nudeln und Reis. Auch der Einkauf in Online Supermärkten und die Lieferung von Lebensmitteln mit Diensten wie flink oder Gorillas stieg rasant an.

Am aktuellsten sind aber die Hamsterkäufe, die aufgrund des Ukraine-Kriegs getätigt werden. Weil einige Menschen eine Knappheit von Mehl und Öl, insbesondere Sonnenblumenöl, befürchten, werden diese Produkte in übermäßig großen Mengen gekauft. In der Folge stehen wir häufig vor leeren Supermarktregalen.
Vorrat Toilettenpapier

Darum sind Hamsterkäufe kontraproduktiv

Doch die aktuellen Hamsterkäufe sind nicht nur unnötig, sie sind sogar schädlich und bringen einige Nachteile mit sich.

Die Ängste vor Unterversorgung sind unbegründet

Die Sorge vor einer plötzlichen Lebensmittelknappheit ist nämlich unbegründet: Die Produktion von Weizen, Fleisch, Kartoffeln, Zucker und Milchprodukten in Deutschland übersteigt sogar den Bedarf. Es gibt also keinen Grund zur Annahme, dass es aufgrund der politischen Lage zu einer Unterversorgung kommt, weil beispielsweise aus Russland oder der Ukraine kein Getreide mehr geliefert würde.

Hamsterkäufe als selbsterfüllende Prophezeiung

Ganz im Gegenteil: Die Angst vor einer Knappheit von Mehl, Öl und Co. funktioniert wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Aus Sorge fangen Menschen an, Hamsterkäufe zu erledigen, womit sie die Nachfrage übermäßig in die Höhe treiben und die Lieferketten überlasten. Das Resultat: Leere Regale, obwohl es genug Lebensmittel gibt.

Die Preise steigen und Supermärkte profitieren

Wenn die Lieferanten mit dem Nachliefern nicht mehr hinterherkommen, weil einige Hamsterer die Nachfrage künstlich erhöhen, steigen die Preise. Langfristig wird damit die Inflation erhöht und wer profitiert, sind Lieferanten und Supermärkte. Hamsterer schaden sich mit ihren Riesen-Einkäufen also auch selbst, weil sie von den steigenden Preisen natürlich auch betroffen sind.

Bedürftige können schlechter versorgt werden

Auch aus sozialer Sicht sind die Hamsterkäufe keine Glanzleistung. Denn wenn abgesehen von den Hamsterern niemand mehr Zugriff auf gewisse Produkte hat, sind auch gemeinnützige Organisationen betroffen, die unter normalen Umständen bedürftige Menschen mit Lebensmitteln und anderen Produkten des täglichen Bedarfs versorgen. Dass sie neben sich selbst auch so viele andere Menschen in Mitleidenschaft ziehen, scheint vielen Hamsterern nicht bewusst zu sein.
Hamsterkäufe Prepper

Die kluge Alternative: als Prepper Lebensmittelvorrat anlegen

Doch die vielen Nachteile des Hamsterkaufs bedeuten nicht, dass dahinter gar kein sinnvoller Kern steckt. Es ist durchaus klug, sich zuhause einen Lebensmittelvorrat anzulegen, um im Fall eines Blackouts, Finanzkollaps, extremen Wetters, einer Naturkatastrophe oder einer Quarantäne mit dem Nötigsten versorgt zu sein. Vielleicht kennen Sie Berichte über Menschen, die sich mit Lebensmitteln, Vorräten und sogar Schutzräumen oder Waffen auf eventuelle Notfälle vorbereiten. Sie sind auch als Prepper bekannt. Doch man muss keinen Bunker im Garten haben, um sich mit einem sinnvollen Lebensmittelvorrat auszustatten.

Das Bundesministerium für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt ausdrücklich, einen Lebensmittel- und Getränkevorrat für 10 Tage anzulegen. Dafür sind keine Hamsterkäufe notwendig. Stattdessen kann man nachhaltig und ohne riesige Mengen Mehl, Öl oder Toilettenpapier die wichtigsten Nahrungsmittel bereithalten.

Prepper Liste: Sinnvoll Vorräte sammeln

Doch was gehört zu so einem Prepper Vorrat? Das BBK hat hierzu ausführliche Ratgeber und Checklisten verfasst. Grundsätzlich lautet die Empfehlung, für jede Person einen Vorrat für 10 Tage auf Lager zu haben. So lange dauert es ungefähr, bis nationale Notfall- und Hilfsmechanismen, beispielsweise bei einem Stromausfall, in Kraft treten können.

Wenn man dabei auf einige wenige Grundprinzipien achtet, sind für das Preppen keine Hamsterkäufe nötig. Das BBK empfiehlt, für jede Person 2 L Wasser und 2.200 kcal Nahrung pro Tag zu lagern. Dabei sollten Sie natürlich das in Ihren Vorrat tun, was Sie mögen und vertragen. Lagern können Sie die Lebensmittel am besten an einem dunklen, kühlen und trockenen Ort, beispielsweise einer Vorratskammer.
Vorrat Konserven
Der wichtigste Unterschied zu Hamsterkäufen ist: Sie können Ihren Vorrat Stück für Stück aufbauen. Mit einem sogenannten lebendigen oder dynamischen Vorrat, den Sie nach und nach auffüllen und aufbrauchen, können Sie perfekt dafür sorgen, dass Sie niemals abgelaufene Lebensmittel zuhause haben. Kaufen Sie beispielsweise bei Ihren normalen Einkäufen einfach eine zusätzliche Packung Nudeln, Bohnen oder Reis, und konsumieren Sie die älteren Vorräte Stück für Stück wieder. So bleibt Ihr Vorrat frisch.

Das BBK schlägt für den 10-Tage-Vorrat pro Person vor:

  • 20 L Wasser
  • 3,5 kg Getreide/Kartoffeln/Nudeln/Reis
  • 4 kg Gemüse/Hülsenfrüchte
  • 2,5 kg Obst/Nüsse
  • 2,6 kg Milch/Milchprodukte
  • 1,5 kg Fisch/Fleisch/Eier
  • 0,357 kg Fette/Öle

Wie kann man sich online mit Lebensmitteln eindecken?

Sie können diesen Prepper Vorrat wie gesagt beiläufig beim alltäglichen Einkaufen erledigen, sei es im Supermarkt oder online. Dafür bieten sich besonders Online-Supermärkte wie Rewe, Netto oder Edeka an. Dort finden Sie Konserven, Getreide, Fleisch, Gemüse und Co. Für Produkte wie Toilettenpapier und Hygieneartikel können Sie auch wunderbar Online-Drogerien wie DM konsultieren. Wenn Sie Haustiere haben, dürfen auch diese nicht außen vor gelassen werden, schließlich sind auch sie in einer Notsituation auf Nahrung und Wasser angewiesen. Tierbedarf nach Hause bestellen geht zum Beispiel bei Zooplus oder ZooRoyal.
Hamsterkäufe prepper liste
Fazit
Für die Hamsterer mögen Hamsterkäufe im ersten Moment wie eine sinnvolle Entscheidung wirken. Doch sie erzeugen wegen er übermäßigen Nachfrage eine künstliche Knappheit, die vorher gar nicht da war, und treiben so die Preise in die Höhe. Profitieren tun höchstens Lieferanten und Supermärkte. Klüger ist es, gemäß den Empfehlungen des BBK einen lebendigen Vorrat anzulegen, der Stück für Stück aufgebaut werden kann.

Bildquellen: Vielen Dank an jbarsky0, Filmbetrachter, PublicDomainArchive, Joenomias @pixabay.com.

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